Keine Sorge, es hat noch nicht geschneit. Es ist aber seit ungefähr einer Woche sehr kalt. In den Bergen im Norden ist es 2 bis 4 Grad Celsius kalt, in Bangkok 18 bis 22 und hier auf der Insel haben wir gemütliche 26 bis 28 Grad. Das letzte Mal lag am 8. Januar 1955 Schnee in Thailand — in Chiang Mai.
Oshare Kobo
“Oshare Kobo” ist der Hammer. Das läuft hier auf UBC als “Fashionable Living” und ist so eine Art MacGyver für japanische Hausfrauen.
Heute bspw. konnte man die beiden Moderatorinnen mit einer Frau bestaunen, die Plüschhunde zum hinstellen bastelt. Neulich haben sie mir beigebracht, wie ich meine Nägel lackieren kann, ohne dass die Farbe nach einem Tag an den Rändern ausbröckelt. das hätte ich mal vor zehn Jahren wissen sollen. Das beste bisher war ein Mann der seine Pollunder (anders kann man die Dinger nicht nennen) selbst gestrickt hat. Pink mit Blümchen und so nem Kram. Die Maschen waren dann so weit gestrickt, dass er mit verschiedenfarbigen T-Shirts unter dem Pullover supertolle Farbeffekte erzeugen konnte.
Gut waren aber auch die Kissen die mit Geschenkband zu kleinen Blumenfeldern wurden. Wenn mir mal gar nichts einfällt verschenke ich Kissen mit Geschenkbandblümchen.
Eine der Moderatorinnen sieht manchmal aus wie die japanische Version von Bjork wenn sie seitliche Doppeldutts trägt und ist (für mein Verständnis von japanischen Verhältnissen) verdammt gross.
Und wie sie immer “hai hai” sagen oder “ooooooooooooh” fluestern (manchmal in einer Frequenz von 5mal pro Mminute) wenn etwas besonders einfach tolles gezeigt wird. Einfach süss. Vielleicht sollte ich mal ein Jahr in Japan zubringen.
Eine kleine Weihnachtsgeschichte
“I don’t like to loose” sag ich und ziehe einen Holzklotz. Ein seltsames Holzspiel mit Klötzen die man aufstapelt und dann unten Klötze zieht, diese oben drauf legt und das möglichst so, dass der Stapel umfällt, wenn man nicht selbst “dran” ist. Der Holzklotz landet leicht schräg auf einem anderen und ich hoffe im Stillen, nicht noch einmal ziehen zu müssen. “What are you doing tonight?” fragt Gig mich. Ich erkläre ihr leicht errötend, dass man(n) das missverstehen kann, wenn man(n) als Farang von einer Thaifrau gefragt wird und sie lässt sich erklären warum. Als ich fertig bin meint sie nur nachdenklich “Ah, that explains a lot” und zieht den nächsten Stein. Hochkant landet er auf der Spitze des Turmes.
Fu zieht einen Stein und sagt, dass ich immer nur Thai sprechen will und sie nicht Deutsch lernen lasse. Ihr Stein landet in der Mitte. Schön sicher. Schön stabil. Ich ziehe einen Stein ganz unten, so dass der Turm auf sieben einzelnen gekreuzten Steinen steht und beginne meinen Monolog über die Sinnlosigkeit des Deutsch-Lernens wenn man nicht mal richtig Englisch sprechen kann und mit Englisch mehr Leute erreicht als mit Deutsch. Mein Stein landet hochkant auf dem anderen hochkantenen Stein. Gig zieht einen Stein und meint, sie könne einen Deutschen Satz: “Ick Benn een rechter Nick Leb Herr”. Die folgenden drei Runden versuche ich zu ergründen, was sie da versucht zu sagen. Sie meint, es bedeutet, dass sie etwas nicht gerne macht. Wir einigen uns darauf, dass es das bedeuten könnte, sie vermutlich aber etwas missverstanden haben könne. Meine Eigenschaft als deutscher Staatsbürger verleiht meiner professionellen Meinung hier Gewicht. Der hochkantene Stapel Holzklötze ist inzwischen bei 4 Steinen angelangt und ich beginne eine leicht schräge und instabile Steinkombination, da ich wie bereits erwänter ein schlechter Looser bin. Der Turm fällt unter Gigs Worten “By the way I am single” und Fingern.
Gig ist müde und will nach Hause fahren. Fu geht mit ihr. Ich kuck sie nur an und sage nichts. Nach 10 Minuten klingelt das Telefon, Fu ist dran. “tomorrow christmas we come to cook”. Ich versteh sie nicht und sag nur “aha”. Aus dem Hintergrund ertönt Gigs Stimme “Tomorrow christmas. We come to cook not tomorrow!” Ich verstehe sie nicht und sage nur “aha”. Fu fragt “you understand? kautschai mai kah?” Ich sag nur “Kautschai”. (Es macht wenig Sinn, in solchen Situationen verstehen zu wollen, worum es geht. Ich bin davon ausgegangen, dass sie beide irgendwann in den nächsten 24 Stunden zum Kochen vorbei kommen werden.)
5 Minuten später stehen sie mit vollen Beuteln vor der Tür und wir fangen an zu kochen. Omelett, Larb Moo (so eine Art Gehacktes scharf gewürzt angebraten mit Grünkram und viel Fettschwarte), Geng Stellen-Sie-sich-hier-einen-unverständlichen-Namen-vor (Ein gelbes Curry mit ich glaube viele Pfefferkörner darin entdeckt zu haben. Kann aber auch was anderes gewesen sein. Gelb war es.), Grünkram der mit viel Knoblauch angebraten wurde, Gemüse, Reis, Nam Prik (scharfer Dipp) und geeister Zucker mit Tee.
Wir sitzen darnieder und essen. Die Frauen unterhalten sich und ich schnappe Fetzen wie “khaow chop” und “khaow gin” auf. Interessanterweise braucht Fu nur mit mindestens einem Thai und mir zusammen zu sitzen und schon bin ich Gesprächsmittelpunkt. “Er isst sogar Som Tham”. Ich pack mir ein bisschen Curry auf den Reis und Gig sagt erstaunt, “Oh, you can eat curry?!?” ich sage ja und esse. Ich nehme Larb Moo zu mir und Gig registriert auch dies mit begeisterter Ekstase. Als ich dann auch noch den Grünkram esse, stellt sie fest, dass sie einen Freund wie mich will. “I have no boyfriend now, you know?” sagt sie. Ich kuck Fu an, die möglichst unbeteiligt zu schauen versucht. Wir hatten da in den vergangenen Wochen so einige Diskussionen über meine Qualitäten als Boyfriend und “alles Thailändische essen” war da nicht im Anforderungsprofil enthalten. Gig sagt, das ist gut, das mag “die Familie”, wenn man als Farang alles essen kann. “Ah, the family, I see” sag ich und Fu versucht noch viel unbeteiligter zu kucken. Auch diese war eher in anderen Zusammenhängen in langwierigen Verhandlungen abgeklärt worden.
Gig ist wieder müde und beide fahren von dannen. Ich räume den Tisch ab. Ich wasche ab. Das Handy macht Ping, eine SMS kommt an.
“I love you too. Fu.”
Merry Christmas
Weihnachten Thaistyle
Gestern fragte Lowlander in den Kommentaren, wie denn in Thailand Weihnachten gefeiert würde. Die Antwort darauf ist einfach: Gar nicht.
Zwar sind die Thais Weltmeister im Aufnehmen fremder Feste und Bräuche, aber Weihnachten hat es noch nicht geschafft. Neujahr ist der nächste offizielle Feiertag, die restlichen Tage sind “ganz normale” Tage. Aus diesem Grund schreiben Reiseunternehmen auch unter Thailand, Sonne, Strand ein “entfliehen Sie dem Weihnachtsstress”. (Kleiner Hinweis am Rande: Das mit der Sonne könnte zur Zeit nicht ganz stimmen.)
Trotz allem kann man in Gegenden touristischer Konzentration ein gewisses weihnachliches Stimmungsmachen entdecken. Soweit ich weiß servieren einige Restaurants speziell an Weihnachten europäische und amerikanische Weihnachtsgerichte (tote Flügelviecher). Und die Ladyboys auf der Beachstreet tragen neben den engen kleinen Höschen auch Weihnachtsmannmützen, je nach Laune mit blinkenden Accessoires oder ohne. Um die Ecke in der heißen Pfanne tragen sie auch Mützen, allerdings voll bekleidet.
Im Tesko haben sie auch schon seit vier Wochen Kekse und Blinkkram rumliegen. Da gleichzeitig aber auch noch der König Geburtstag hatte und seit 60 Jahren auf dem Thron verweilt mischte sich das Rot-Weiß diesmal eher mit Gold-Gelb.
Aber generell gesehen feiern wir kein Weihnachten.