Schuld ist eines der mich weniger begeisternden Konzepte des Christentums. Da wird erwartet, dass die Menschheit Schlechtes tut, damit jemand kommen kann und für die Schulden der Menschheit einstehen kann. Ohne diese selbsterzeugte Notwendigkeit eines Erlösers wären alle christlichen Religionen obsolet. Im Buddhismus ist es anders. Es ist wie es ist und der Sinn des Seins liegt darin, mit dem was man hat zurecht zu kommen. Es muss kein Schuldiger für die Misstände des Lebens gefunden werden, weil für die Lösung des Problems nur interessant ist, was (Fakten, Vorgänge) zu einem Problem geführt hat, nicht wer und warum (Motivation). Einer der Gründe warum “fernöstliche” Philosophien erheblicheren Einfluss als christliche Philosophien auf erfolgreiche Business-Strategien haben ist dieser lösungsorientierte Ansatz.
Nokachi Shikimime
Zur Zeit macht folgende Mail die thailändischen Mailinglisten unsicher:
What is your japanese name?
Take each letter of your name and substitute it with the japanese sound to the right of the letter. Names might be kinda long.
A-ka; B-tu; C-mi; D-te; E-ku; F-lu;
G-ji; H-ri; I-ki; J-zu; K-me; L-ta;
M-rin; N-to; O-mo; P-no; Q-ke;
R-shi; S-ari; T-chi; U-do; V-ru;
W-mei; X-na; Y-fu; Z-zi
Gut. Nokachi Shikimime Memotata Kichiarimiri. Bis zum Nokachi würde ich ja noch mitgehen. Klingt ein bisschen wie ein Pokemon-Charakter.
Schusswechsel
Dass man für ein bisschen Aufregung nicht weit fahren muss, zeigt mir der heutige Abend wieder einmal. Vor rund 2 Stunden gab es einen heftigen Schusswechsel zwei Ecken weiter am 7eleven. Von meinem Haus aus klang das wie ein kleines Feuerwerk. Nach einer halben Stunde auf dem abendlichen Fu-Heimweg durfte ich dann feststellen, dass nicht jedes Feuerwerk der Unterhaltung dienen muss.
Auf meiner Soi lag ein Motorad inmitten einer Blutlache. Das ist nichts besonderes in meiner Gegend abends. 200 Meter weiter auf der Ringroad allerdings war eine Ansammlung von Pickups quer über die Kreuzung verteilt. Zuerst sah es nach einem Unfall aus, aber keiner der Pickups war irgendwie gegen einen anderen gefahren. Ein paar Scheiben waren kaputt und bei genauerem Hinsehen sah man dann auch in den noch existenten Scheiben Einschusslöcher. Ein paar Polizisten versuchten sowas wie Ordnung in den Verkehr zu bringen (vergeblich).
Die Schaulustigen konnten auch nicht viel mehr sagen als dass das Moped in meiner Soi mit der Sache zu tun hat. Es ist besser bei solchen Ereignissen ersteinmal nichts zu wissen. Das Polizeiaufgebot jedenfalls war überdurchschnittlich. Da scheint jemand gründlich aufgeräumt zu haben. Ich bin gespannt was meine Quellen morgen zu sagen haben. In den englischsprachigen Zeitungen wird man nicht viel lesen darüber, das verstört nur die Touristen. Mal sehen was die Thaiblättchen schreiben. Veröffentlichenswert ist es auf jeden Fall, der zermatschte Mopedfahrer neulich, der unter einen LKW gekommen ist (nur wenige Meter vom heutigen Tatort entfernt) wurde ausführlich behandelt.
Border-Run (formerly know as Visa-Run)
Am Wochenende machte ich einen kleinen Trip nach Malaysia. Als nichtangestelltertxp:gho_footnote Yepp. Man ist wieder auf dem freien Arbeitsmarkt verfügbar.</txp:gho_footnote> Ausländer in Thailand muss man das Land kurz verlassen, um beim Wiedereinreisen ein neues Visa zu erhalten. Das hatten wir ja letztes Jahr schon zur Genüge. Rund um diese Visaruns hat sich eine richtige Tourismusindustrie gebildet und hier auf der Insel findet man aller 200 Meter einen Travelshop mit Visarun-Plakat in den Fenstern. Ich werde also in den nälchsten Jahren mal die verschiedenen Anbieter durchtesten ;)
Für dieses Mal hatte ich mir vorgenommen einmal Malaysia in Angriff zu nehmen. Laos, Myanmar und Singapore hatten wir ja schon mal. Aus der Fahrt in die Todeszone für ein gutes Stück Sensationsjournalismus wurde allerdings nichts. Wir fuhren zu einem kleinen Grenzübergang in Satun . Hier besteht zwar auch der größte Teil der Bevölkerung aus Muslimen (67,8%), die Unruheregionen aus den täglichen Nachrichten sind aber an anderen Orten zu findentxp:gho_footnote Was in der Wikipedia ganz nett beschrieben wird: “Trotz der religiös geprägten Unterschiede heiraten malaiische Moslems und Thai-Buddhisten ohne Probleme. Dies führt zu einer ethnischen Gruppe, die man Samsam nennt, so viel wie Mischlinge. In Satun gibt es — im Gegensatz zu Pattani, Narathiwat und Yala keine starken separatistischen Tendenzen.” (Wikipedia , Stand 03.07.2006)</txp:gho_footnote>.
Früh am Morgen um 4:15 (kein Problem für mich aufzustehen, weil ich eh von Soosie die ganze Nacht wachgehalten wurde) wurde ich von einem erschreckend altem Songtheaw abgeholt und in rasendem Tempo nach Nathon zur Fähre gebracht. Angekommen sind wir dort trotzdem erst halb sechs, weil ständig Farangs (interessanterweise mittelalte Männer, keine einzige Frau, niemand auch nur annähernd in der Nähe meines Alters) zugeladen wurden. Nach der üblich langweiligen Fahrt auf der Fähre (schlechtes Wetter, nicht mal den Sonnenaufgang konnte man sehen) wurden wir in einen Bus gepackt der gen Grenze raste. Im Bus wurden schnell die Papiere ausgefüllt (“Beware that death penalty for traficking drugs is set in Malaysia” stand auf den malayischen Einreisepapieren. Ich entschied mich vorerst nicht mit Drogen zu reisen) und gegen Ende der Fahrt im Befehlston (eine Britin spielte Reiseführerin, das war mir neu, bisher bin ich mit Thais gereist) die Ankunftszeit im 5 Minuten-Takt durchgegeben.
Gegen zwölf kamen wir an der Grenze an. Man stellte fest, dass ich einen Tag zu lang im Lande war (huch, ich dachte der “erste Tag” wäre frei), ich wurde zu einem freundlich umständlichen Grenzbeamten gebracht, der meinen Pass von vorne bis hinten durchblätterte und feststellte, dass ich einen neuen Pass hatte (irgendwie fehlte das ursprüngliche Visa von vor der Umwandlung zum BOI-Jahresvisum). Dann meinte er auf Thai zu mir, so lange wie ich schon hier sei, könne ich bestimmt schon ein bisschen Thai. Ich meinte “phom kautschai maak kwa phuut phaasa thai krap”txp:gho_footnote Ich verstehe mehr Thai als ich sprechen kann.</txp:gho_footnote> — hatte meinen Stein im Brett und die langsame Vorgehensweise wurde durch schnelle effektive Stempelei ersetzt. Alledings sprach er dann auch nur noch Thai mit mir. 500 Baht ärmer durfte ich über die Grenze schreiten, loggte mich in Malaysia ein, ging ums Grenzhäuschen herum, loggte mich wieder aus, ein Iman begann zu predigen, ich lief zurück nach Thailand und betrat das Land als zufriedener Tourist wieder.
Ab in den Bus, die letzte Fähre erreicht (die vorletzte hätten wir geschafft wenn der Busfahrer nicht ein dringendes Bedürfnis verspürt hätte) und nach Hause.
So ein Visarun ist ziemlich langweilig und unereignisreich. Ok, ich habe einen Alligator im Grenzfluss gesehen. Und jede Menge Thais und Malayen, die Visaruns machten (einmal um eines der Grenzhäuschen herum und zurück ins jeweilige Land)txp:gho_footnote Die vier nördlichen Provinzen Malaysias Perlis, Kedah, Kelantan und Terengganu waren bis 1909 unter thailändischer Verwaltung. Die drei heutigen Südprovinzen Thailands Narathiwat, Yala und Pattani bildeten bis 1909 das Königreich Pattani. 1909 ließen sich die Engländer auf der Malaiischen Halbinsel nieder und die Grenzen wurden neu sortiert. Aus diesem Grund ist die Bevölkerung stark durchmischt und viele Familien leben und arbeiten auf beiden Seiten der Grenze. So zumindest erkläre ich mir den starken Grenzverkehr, den ich beobachten durfte. Mal sehen, ob mir jemand was anderes erzählen kann.</txp:gho_footnote>. Aber ansonsten war es ein vergammelter Tag.
Thaksin spricht
Ich sehe mir gerade im Staatsfernsehen eine Rede vom care takenden Premierminister Thaksin Shinawatra an. Das ist ein bisschen gespenstisch, weil niemand klatscht. Die Kameras fangen die Zuhörer immer in dem Augenblick ein, wenn sie den Mund aufreißen um ausführlich zu gähnen. Das kann ganz lustig rüber kommen, wenn sie in ebendiesem Augenblick bemerken, dass sie im Fokus sind und sich entscheiden entweder in ihren Aktenkoffern zu kramen oder so zu tun als ob sie eigentlich zwischen den Zähnen kramen wollten.
Das Redethema scheint querbeet zu sein. Ich hörte vorhin sowas wie eine Rechtfertigung, dass im Süden ein Malay-Dialekt keine zweite Verwaltungssprache werden soll (“das ist kein Individualismus, das ist Nationalismus”), dann sprach er über Kasachstan (da war er wohl vor einigen Tagen um sich bei Putin einzuschleimen und der iranische Präsident war <txp:gho_permalink id=“668”>auch wieder dabei</txp:gho_permalink>). Außerdem ist der Export in den Iran um 16% gestiegen , was größtenteils an Reishamsterkäufen Irans in der Region liegt. Dann hatte er auch kurz über Futtaball und Tschörramanieh gesprochen, das aber wohl nur um auf das Problem der Wettsüchtigen hinzuweisen.
Derweil hat Thaksin sich in Kenia für den Bau eines Hotels beworben . Altersvorsorge?
Wie gesagt. Keiner klatscht. Gespenstische Stille. Gähnen. Thaksin steht vor einem sehr großen DDR-braunen Vorhang an einem Pult mit ein paar Blümchen. Spricht mal selbstüberzeugt und manchmal merkt man, wie er den Faden verliert, unsicher wird. Dann nimmt er seine Brille auf und starrt auf seine Notizen.
Er wirkt ein wenig verloren.
PS: Muaaahahaha, jetzt der Spruch: “Democracy … blablabla… demo crazy”. Der Mann hats wirklich drauf.
PPS: Jetzt wird er ja doch ein wenig lustig und bringt mitreißende Sprüche. Seine Claqueure lachen.