Samui? Samui!David's Neighbour's Notizen über sein Leben als Auswanderer auf der Insel Koh Samui in Thailand. Auf Deutsch, und so...

Nächtliche Zeremonien

Ganz Thailand trägt Gelb — die Farbe des Königs weil er an einem Montag geboren wurde. Am Freitag hielt der König eine Generalaudienz für das Thailändische Volk (Bangkoks Verkehr stand still und die Menschen stauten sich 2km weit vom Balkon auf dem der Köndig und die Königin standen) auf der er unter anderem Folgendes sagte:

I feel heartened by unity and would like to remind all about some underlying principles to guide Thai citizens in joining together to preserve and develop their country to new heights of prosperity.

First, everyone should show kindness and compassion to ensure the mental and physical well being of one another.

Second, people should strive to cooperate for the mutual benefit of oneself, others and the country.

Third, everyone should uphold honesty and observe rules and traditions with impartiality.

Fourth, everyone should adhere to righteous thinking and act reasonably.

If Thai citizens think and act in an agreeable and constructive manner, then the country will surely thrive.

Everyone in the public audience and all Thai citizens should strictly follow these principles and propagate them in perpetuity so the country can remain in peace and happiness for the present as well as the future.

Ich mag Subtilität.

Gestern war der Tag größtenteils mit religiösen Zeremonien gefüllt. Am Abend dann gab es eine Zeremonie in der Großen Thronhalle in der der König und die Königin in der Mitte saßen und die Mitglieder der Königsfamilie und ranghohe Thais hierarchisch sortiert im Rechteck um das Königspaar standen und Kerzen herumreichten, mit den Kerzen dreimal vom Körper weg (oder zum Körper hin, so genau konnte man es nicht erkennen) wehten und dann mit der flachen Hand kurz zum Königspaar hinfächerten. Dann wurden die Kerzen nach links zum Rangniedrigeren weitergereicht. Wieviele Kerzen im Spiel waren konnte ich nicht erkennen (die Fernsehbilder sind trotz des einzigartigen Anlasses sehr schlecht und übersteuert, die Kameras des staatlichen Fernsehens blenden sich immer gegenseitig), es waren aber mehr als 10. Das Ganze ging so lange bis die Kerzen heruntergebrannt waren. Sehr lange. Dazu gab es traditionelle Musik. Entweder war sie ohrenbetäubend, schräg und asynchron oder der Tontechniker alkoholisiert. Leider war keine meiner Quellen erreichbar um zu klären, was da vor sich ging.

Anschließend gab es dann noch ein nächtliches Feuerwerk über dem Chao Praja. Auch das wieder war nur ein Genuss für die Leute vor Ort, denn der TV-Regisseur war wohl ein “Junger Wilder” — man hatte immer mindestens zwei Bilder übereinander gelegt und nie einen Gesamtüberblick.

Jedenfalls ist es eine Zeit voller wunderlicher Zeremonien. Heute ist nochmal ein buddhistisch zelebrierter Feiertag, Montag und Dienstag sind dann weltliche Feiern, die mit den Monarchen (und deren geschickten Sprösslingen) der Welt gefeiert wird.

PS: Tief in der Nacht dann noch ein Telefonat mit einer meiner Quellen zur Zeremonie im Thronsaal.

Sie (Quelle): Oh, thats because his anniversary.

Ich: I know. But what did they do?

Sie: It is somesome they make only once in a, ehm, in a, ehm…

Ich: Once per 60th anniversary of a monarch, that happens not often, I know.

Sie: Yes, not often

Ich: But what did they make with the candle.

Sie: Oh, that looked like (brabbelt irgendwas auf Thai)…

Ich: Häh?

Sie: (brabbelt irgendwas auf Thai) — thats like the Buddhaday but he no Buddha, he the king! They give their own merrit to him and wish him well.

Das sah schon so aus, als ob sie ihm etwas abgeben. Mal sehen was die anderen meinen.

Ein patenter Monarch

König Bhumibol Adulyadej der Große oder wie wir Kenner auch gerne sagen Phrabat Somdej Phra Paramindra Maha Bhumibol Adulyadej Mahitaladhibet Ramadhibodi Chakrinarubodindara Sayamindaradhiraj Boromanatbophit ist nicht nur der Welt dienstältester Monarch, er ist auch der einzige Monarch weltweit, der von sich behaupten kann, einige Patente zu besitzen. Er unterhält auf dem Gelände seines Palastes in Bangkok sogar eine Testfarm. Mit seinen Forschungsergebnissen unterstützt er unter vor allem die Landwirtschaft im Norden wie die folgenden zwei seiner Patente zeigen:

Mehr über seine Ideen und Projekte findet man bei der Bangkok Post (aus einer Festschrift zum 72. Geburtstag Seiner Majestät im Jahre 2000 ).

60 Jahr…

In den nächsten Tagen feiern wir in Thailand “King Bhumibol Adulyadej’s 60th Anniversay Celebration of His Majesty’s accession to the throne” (so der offizielle Name) oder das 60jährige Jubiläum seiner Inthronisation. Mit 60 Jahren auf dem Thron ist er der dienstäteste Monarch weltweit, ein Fakt auf den viele Thais stolz sind. Es wird jede Menge Umzüge geben und das Gute an dieser Feier (für Leute die freie Tage brauchen) sind die amtlich verordneten zusätzlichen gesetzlichen Feiertage am Freitag, Montag und Dienstag.

Heute morgen fand ich mich in Nathon schon inmitten einer Schulparade wieder. Eine Bläserkapelle (mehr Percussion als Bläser) spielte “Oh when the saints go marching on” und rund 300 Schüler wedelten mit Thailand-Flaggen und der Flagge mit dem königlichen Symbol der 60Jahre-Feier. Zu Beginn wunderte ich mich, warum sie denn nicht auch die Königshymne spielen. Als ich dann am Pier im Cafe saß und sie anmarschierten und sich auf dem Festplatz aufstellten wurde es mir dann deutlich gemacht: Sie spielten die Königshymne und plötzlich standen alle Autos still, die Polizisten salutierten mitten auf der Straße und selbst die Kellner standen mit dem Essen auf den Händen stumm. Man kann also die Hymne nicht die ganze Zeit spielen wenn man sich fortbewegen will.

Der Tag des Teufels

Gestern war ja bekanntermassen der Tag des Teufels (06.06.06). In meinem Leben ist nichts Schlimmes passiert. Also alles nur Mache?

In den Starnews (Expat-Bildzeitungs-Fernsehen aus verschiedenen britischen Newsquellen around the world, die News gestern unter anderem das erste Training der deutschen Nationalmannschaft) wurden verschiedene indonesische Leute interviewed. Dort ist der katholische Glaube relativ stark verbreitet und unter anderem wurde über ein Krankenhaus mit richtig vielen Geburten gestern berichtet. Leider hatten die Ärzte nichts zu sagen als “Es gab eine deformierte Hand, ansonsten lief alles nach Plan”. Musste man also eine richtig gläubige Neumutter befragen und die gab dann in etwa folgendes zu Protokoll: “Ich glaube an Gott und bete viel. Den Teufel gibt es nicht. Deshalb geht es uns allen gut.” Soso. Ich dachte immer der Teufel gehört dazu.

Leider gab es aber im Großen und Ganzen nichts teuflisches zu berichten gestern. Keine Massenmorde, Amokattentäter und nicht mal Tote im Süden Thailands.

Im Thailändischen heißt 6 “hok”. Hok bedeutet auch “fallen”. Somit hat es die 6 ohne irgendwelche christlichen Lehren auch hier zur unglücklichen Nummer bei Anhäufung gebracht. Das Gegenteil der 6 ist die 9, die wiederum die höchste der Ziffern darstellt. Je mehr Neunen auf einer Banknote (Seriennummer) zu finden sind, umso glücklicher wird man mit dieser Banknote. Das Optimum ist natürlich eine Seriennummer die mit 9 anfängt und mit 9 endet.

Damit erklärt sich dann auch, warum man hierzulande beim Kauf von Calling-Cards immer eine Liste mit Nummern vorgelegt bekommt und sich selbst eine Nummer heraussuchen kann. Ich werde das beim nächsten Mal beachten ;)

Hörschwelle

Gestern morgen erwachte ich mit einem seltsamen Gefühl im Ohr. Das war mir neu. Seltsame Gefühle in verschiedenen Körperteilen sind mir nur zu gut bekannt aber das Ohr war bisher unbetroffen. Nun also die Gehörgänge. Kein Problem dachte ich mir, brühte einen Kaffee und beschäftigte mich mit meiner tälglichen Morgenlektüre. Gegen Mittag begann das Ohrinnere dann zu schwellen. Gegen Abend war der Inhalt meines Ohres so geschwollen, dass man mit keinem Fremdkörper mehr hineinkam und dann kam der Schmerz. Am Ende war es dann so schlimm, dass jede Bewegung meines an schallleitenden Massen reichen Körpers in einem schmerzenden Ohr endete. Die Nacht verbrachte ich dann abwechselnd wach wegen einer unangenehmen Drehung oder wach weil ich meinen eigenen Puls hämmern hörte.

Schmerz gebäret Tat und so fand ich mich heute morgen betäubt (zur Hälfte taub und zur Hälfte vom schmerzbetäubt) im Hospital ein. Dort ward ich gleich von einer Schwesternmeute umgeben, von denen sich die Älteste (Typ Oberschwester Hildegard Thaistyle) für mich behauptete. Sie sprach für ihr Alter äusserst untypisch blendend Englisch, lies mich ein paar Papiere ausfüllen, mass meine Temperatur (niedriger als die Außentemperatur), Blutdruck (260 zu 89 — is this normal for you?) und mein Gewicht (die Pillen die ich neuerdings zu mir nehme haben einen Gewichtsverlust von 6 Kilo in 4 Wochen gebracht). Dann wurde ich einer jungen aber leider recht unattraktiven Ärztin vorgestellt (warum sind die wichtigen Menschen immer alle hässlich?) die mir genüsslich ihr Kuckrohr ins Ohr hämmerte.

Jedenfalls endete ich mit der Diagnose Infektion (“what? you don’t go swimming or diving? how do you got it then? — maybe i heard the wrong things.) und jeder Menge Antibiotika sowohl oral als auch ohral (wir Kenner sagen gerne aural) einzunehmen (besonders fies: die Ohrentropfen müssen im Kühlschrank aufbewahrt werden, was die Tropfen im Ohr dann ein recht kühles Vergnügen sein lassen). Und ein paar “painkiller”-Tabletten. Ich wusste gar nicht, dass das ein medizinischer Fachbegriff ist. Die Arztkosten sind erstaunlich hoch gewesen. Krebs möchte ich hier nicht kriegen. Die Tabletten werden aus der Verpackung genommen und genau abgezählt. Vermutlich kostet dieser Service auch noch extra. Naja. Fürs nächste Mal weiss ich dann, welche Pillen ich in der Pharmacy an der Ecke billiger kaufen kann. Und kommende Woche muss ich natürlich nochmal hin. Den Farang kann man ruhig doppelt abzocken.

Macht aber nichts. So pillenbestopft ist mir das eh egal.