Samui? Samui!David's Neighbour's Notizen über sein Leben als Auswanderer auf der Insel Koh Samui in Thailand. Auf Deutsch, und so...

Landkauf und -besitz für Ausländer

Ausländer dürfen in Thailand kein Land kaufen (oder um im guten alten Deutsch zu bleiben kein Eigentum an Land halten). Es gibt aber verschiedene Wege, um trotzdem stolz “zu Hause” berichten zu können, dass man auf seiner Farm im Nordenwesten Thailands Reis zieht.

Ein Weg geht über das Leasen von Land. Man kann das Land für 30 Jahre von einer thailändischen Firma leasen und hat das Recht auf eine Verlängerung des Vertrages nach 30 Jahren. Das ist wie Eigentum, nur wird das Land nach dem unvermeidlichen Ableben des Leasingnehmers nicht vererbt sondern geht zurück an die Propertyfirma.

Eine weitere Möglichkeit ist der Kauf von Land über ein Unternehmen. Unternehmen dürfen in Thailand Land besitzen. Allerdings darf man als Ausländer maximal 49% an einer Thaifirma halten. Den 51 verbleibenden Thai-Prozenten jedoch kann man vertraglich alle Stimmrechte entziehen, so dass man mit seinen 49% die volle Kontrolle über das Unternehmen behält. Es gibt (auch hier im IT-Complex) Anwaltsfirmen, die derartige stille Teilhaber in der Hinterhand haben, wenn man mal ein Unternehmen aufmachen will. Kleines Problem am Rande: Man darf keine Company gründen ohne nicht auch unternehmerisch tätig zu sein. Wer also glaubt, dass er ein Unternehmen gründet und dann Land kaufen kann könnte sehr schnell Besuch von Regierungsbehörden bekommen die die Geschäftstätigkeiten überprüfen und im Zweifelsfall das Unternehmen schließen und alle Besitztümer übernehmen. Man muss übrigens mindestens 40 Millionen Baht (um die 80.000 Euro) in die Firma investieren, um 1 Rai Land für Wohnzwecke zu kaufen. Man muss inzwischen (seit 15. Mai 2006) die Quellen des Geldes nachweisen, ehe man Land kaufen kann und bei jedem Landkauf werden die Eigentümer einer solchen Firma geprüft. Stille Teilhaber dürften damit schnell auffallen und einen Landkauf verhindern.

Die letzte Möglichkeit (im Sinne von am Schluss meiner kleinen Liste ;]) ist die Ehe mit einem Partner thailändischer Nationalität. Bis 1999 war es so, dass jeder Thai der einen Ausländer heiratete jegliches Recht verlor, Land zu kaufen. Seit 1999 muss er nur noch nachweisen, dass das für den Kauf verwendete Kapitel aus seiner Hand stammt und niemand irgendwelche Rechte daran oder Ansprüche darauf besitzt. In der Regel macht man das heute mit der Unterzeichnung einer “amtlichen Erklärung”, dass man das Geld bereits vor der Ehe besessen hat. Man(n als Ausländer) hat dann Rechte am Land als Ehepartner. Trennt man sich, bekommt natürlich der Thai alles (allerdings hat wer wegen des Besitzes heiratet auch nichts anderes verdient als alles zu verlieren).

Na dann mal frohen Landkauf! Auf Koh Samui sind die Landpreise übrigens astronomisch hoch. Man darf da schon mit einer Million Baht und mehr (um die 20.000 Euro) pro Rai rechnen. Im Isaan habe ich letzten Sommer ein paar Rai für 15.000 Baht angeboten bekommen. Ob man im Isaan leben will ist dann wieder eine andere Entscheidungsfrage.

Landmaße

1 rai = 4 ngan (1.600 qm)

1 ngan = 100 wah (400 qm)

1 wah = 4 qm

1 Hektar = ca. 6,25 rai

User sind männlich

Eben beim Übersetzen lassen der Erklärung zum Chatten durch meine blutjungen Studentinnen kurz gestutzt: User heißt Puu Chaai. Mann/Junge heißt aber auch Puu Chaai. Frag ich so: “Ehm, was ist denn jetzt der Unterschied?” kommt als Antwort (ich hätts vorhersagen können) “Puu Chai ist Low Tone und Puu Chai ist Rising Tone”. Jetzt muss ich mir nur noch eine Eselsbrücke erstellen bei der der User aufsteigt und der Junge tief liegt.

Der Ton macht die Musik.

Die Wichtige Person

Auf der Insel hält sich eine Wichtige Person auf. Gestern wurde ich den ganzen Tag aufgehalten weil am Palm Beach Ressort in Maenam/Bophut ständig die Straße auf rund 500 Metern Länge gesperrt ist.

Gestern Morgen kamen drei Polizeiwagen mit Spiegelglas aus der Einfahrt geschossen und 5 VIP-Busse ebenfalls verspiegelscheibt. Hinterher noch ein paar Polizeiwagen und dann von hinten ein paar Motoräder. Das alles mit Blaulicht und Straßensperrung und Militär und viel Polizei. Die Straßen selber sind voller Polizisten die verdächtige Subjekte (mich nicht) aufhalten und kontrollieren. Heute morgen ist dann ein Krankenwagen mit Polizeiaufgebot ins Ressort gefahren.

Es muss schon eine ziemlich Wichtige Person sein, die da mit so einem Brimborium behandelt wird. Ich bin noch am eruieren, ob ich Leute kenne, die im Ressort arbeiten oder jemanden kennen, der dort arbeitet. Mal sehen, wen wir da vor uns hatten.

Ich tippe auf Mitglieder der königlichen Familie oder jemanden aus der Regierung. Obwohl, die dürften zur Zeit anderes zu tun haben als auf Samui rumzukurven.

Wahlen

Am Sonntag ist Wahlsonntag. Das heißt die Kneipen haben geschlossen (ich glaube auch schon am Tag davor), damit die Wähler klaren Kopfes in die Wahlkabinen gehen können, wenn sie denn am Ort verweilen an dem sie gemeldet sind. Wie bereits erwähnt ist das seltenst der Fall.

Zeit also, sich aufzumachen und zu versuchen einen Überblick auf die aktuelle Stimmung zu erheischen. Der gelernte Farang hat nicht viel Möglichkeiten zur Meinungsmache. Tageszeitungen gibt es genug, allerdings nur zwei englischsprachige, die Bangkok Post und die The Nation. Beide geben an, unabhängig zu sein. Letztere jedoch steht jedoch im Ruf, die Zahlen schon mal zu Ungunsten von Thaksin Shinawatra zu verändern. Man sollte die angegebene Zahl der Demonstranten in The Nation immer halbieren um ein halbwegs glaubwürdiges Ergebnis zu erhalten.

Beide Zeitungen berichten relativ kritisch über den Premierminister. Wobei mir die Bangkok Post noch besser gefällt weil sie immer sehr nüchtern vom “Caretaker PM Thaksin” schreibt. Ich vermeine da ein leicht sarkastisches Lächeln im Mundwinkel der Redakteure erkennen zu können (und ja, ich weiss, dass das nichts anderes als “regierender Premierminister” heißt).

Im Fernsehen muss man immer aufpassen, welchen Sender man gerade angeschaltet hat. Je nach Besitzverhältnissen fällt auch die Meinungsmache aus. Auf Thaksins Kanälen und denen der Regierung findet entweder keine Wahl statt oder die Kritiken und Kritiker an Thaksin werden lächerlich gemacht oder kriminalisiert (O-Ton Thaksin: “What they are doing is punktuating democracy.”). Auf den anderen Kanälen werden Sonderberichterstattungen bei jeder kleineren Anhäufung Demonstranten geschaltet.

Besitzverhältnisse bei den Fernsehsendern

  • Channel 3 — MCOT (Besitzer), BEC World (Betreiber)
  • Channel 5 — Kögliche Armee von Thailand (Besitzer und Betreiber)
  • Channel 7 — Kögliche Armee von Thailand (Besitzer), Bangkok Broadcasting & Television Company (BBTV) (Betreiber)
  • Channel 9 — MCOT (Besitzer und Betreiber)
  • Channel 11 — PR-Department der Regierung (Besitzer und Betreiber)
  • ITV — Shin Corporation (Besitzer und Betreiber) (früher Thaksins Firma, jetzt an Investoren aus Singapore verkauft)

MCOT war früher ein staatliches Unternehmen und befindet sich jetzt immernoch zu 77% in Regierungshand.

Die kleinen Leute die ich kenne sind eher politikverdrossen im europäischen Sinne. Sie gehen nicht wählen, weil sie denken, dass ihre Stimme sowieso nicht zählt und arbeiten damit genau denen in die Hände, die sie nicht an der Spitze sehen wollen.

Andererseits sind dieses Wochenende mehr als 100.000 Demonstranten aus “ganz Thailand” nach Bangkok gereist, um bis zum nächsten Sonntag (“zum Wahlgewinn”) gegen Thaksin zu demontrieren. Wer jetzt weiß, daß Samstag und Sonntag des vergangenen Wochenendes die Wahllokale für vorgezogene Stimmabgaben geöffnet waren und man am Ort an dem man polizeilich gemeldet ist wählen gehen muss wird sich denken, dass diese Stimmen der Kritiker im Wahlergebnis fehlen dürften. Ein bisschen erinnert mich das an die Simpsons-Folge, in der Bart Klassensprecher werden wollte und alle Stimmen auf seiner Seite hatte, diese aber alle nicht wählen gingen, weil er eine Wahlparty gab, die gut besucht war, aber alle am Stimmabgeben hinderte. Martin wurde dann Klassensprecher mit 2 Stimmen. Unter anderem seiner eigenen.

Nicht nur die Thaksin-Gegner demonstrieren, auch eine Gruppe namens “Caravan of the poor” hauptsächlich aus Farmern aus dem Norden und Nordosten (Isaan) bestehend hat ihr Lager in Bangkok aufgeschlagen. Die allerdings sind für dieses Wochenende in ihre Heimat zurückgekehrt um wählen zu gehen und wollen am Montag wieder kommen.

**Wahlergebnisse (Sitze im Parlament) vom 6. Februar 2005

(Quelle: National Election Commision)**

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  Norden
</th>

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  Nordosten
</th>

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  Zentral
</th>

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  Bangkok
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  Süden
</th>

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  Partei-Listen
</th>

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  Gesamt
</th>
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  71
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  126
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<td>
  80
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<td>
  32
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  1
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<td>
  67
</td>

<th>
  377
</th>
<td>
  5
</td>

<td>
  2
</td>

<td>
  7
</td>

<td>
  4
</td>

<td>
  52
</td>

<td>
  26
</td>

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  96
</th>
<td>
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<td>
  6
</td>

<td>
  10
</td>

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  1
</td>

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  1
</td>

<td>
  7
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  25
</th>
<td>
</td>

<td>
  2
</td>

<td>
</td>

<td>
</td>

<td>
</td>

<td>
</td>

<th>
  2
</th>
<th>
  76
</th>

<th>
  136
</th>

<th>
  97
</th>

<th>
  37
</th>

<th>
  54
</th>

<th>
  100
</th>

<th>
  500
</th>

Am Samstag forderten Thaksins Gegner auf ihrer Demonstration den König auf, einzugreifen:

“We, the demonstrators, see no solution to end the crisis without bloodshed other than appealing for His Majesty’s help and asking him to consider invoking article 7 of the constitution and appointing an interim government.”

Artikel 7 der Verfassung besagt, dass der König eine Interims-Regierung einsetzen darf.

PS: Man darf jetzt übrigens nicht denken, dass ich gegen Thaksin bin. Ohne seine Entscheidungen der letzten Jahre wäre ich sicher nicht hier. Nichtsdestotrotz hat die derzeitige Regierung Thailands etwas durchaus berlusconisches an sich. Ein bisschen bin ich der Meinung, dass Demokratie nicht unbedingt für jedes Land die unmittelbar optimale Regierungsform ist.