Samui? Samui!David's Neighbour's Notizen über sein Leben als Auswanderer auf der Insel Koh Samui in Thailand. Auf Deutsch, und so...

(Life in) Slow Motion.

Das Interessanteste (für mich) an den vergangenen 4 Wochen ist, dass es mich nicht im geringsten angeödet hat. Fast bin ich ein bisschen traurig, dass die Sonne seit heute durch die Wolken dringen kann und meine Lieblingsüberschwemmung in Bophut so langsam auszutrocknen beginnt. Ich hatte bereits eine Technik entwickelt, hinter den Pickups in einem Meter Abstand zu fahren. Damit kommt man schneller vorwärts weil die Fluten wie damals im Roten Meer (wars das Tote?) getrennt werden und ich nahezu trocken durchkam.

In Deutschland hätte ich schon lange (Achtung, lizenzierte Verwendung des Wortes) gekotzt. Hier ist alles ein wenig anders. Ich grinse eigentlich ständig beim Mopedfahren. Und wenn ich nicht grinse dann nur weil ich bemerkt habe, dass ich grinse und mich einen Augenblick lang selbst nicht mag.

Meine Straße ist auch wieder aufgetaucht. Es geht aufwärts. Nur die Sonne nervt schon wieder ein bisschen.

Ist halt immer was Neues in der Verarbeitung.

Sekundenkleber

Ich habe ja ein spezielles Verhältnis zu Klebern im Allgemeinen und Sekundenkleber im Speziellen. Normalerweise verkleistere ich immer meine Klamotten anstatt das klebrige Gut an der zu verklebenden Stelle aufzubringen. Sekundenkleber benutze ich immer nur einmal, weil dann hinterher immer die Düse verstopft ist.

Heute morgen jedenfalls benötigte ich mal wieder Sekundenkleber und hatte mir hierzu eine Tube “chinese Elephant-Brand” versorgt. In Thailand ist es wichtig, dass so etwas immer Brand dahinter stehen hat, damit man weiß, dass man es hier mit einer gewichtigen Marke zu tun hat. Dieser Kleber wurde übrigens mit separater enger Düse und einer langen Nadel geliefert, auf dass die Düse gereinigt werden könne.

Der Patient war mein Mobilfunktelefon — ein Siemens SL 55 oder so. Das ist übrigens das letzte Siemens-Telefon, das ich nutzen werde. Ich habe seit ich mobil telefoniere immer auf Siemens geschworen — angefangen von diesen Briketts damals über weniger brikettige Dinger bis zum Ei. Dieses begann nun seit ich in Thailand bin ein gewissermaßen divenhaftes Verhalten an den Tag zu legen von plötzlichem Ausschalten (vorzugsweise mitten im Senden von SMS oder mitten im Gespräch) über wochenlang nicht funktionierende Tasten (ungünstig wenn man SMSse ohne M,N,O schreiben muss) bis hin zu herausfallenden Tasten in der letzten Woche (eine ungünstige Kombination von Hitze und Feuchtigkeit hat winzige Klebepunkte verdampfen lassen). Das Ding ist halt nicht für die Tropen geschaffen. Mal abgesehen davon, dass Siemens die Mobilsparte verkauft hat und schon dafür nicht mehr in Betracht kommt. Ich hab neulich so ein glitzerndes schwarzes Nokia gesehen mit MP3-Player und Fotoapparat.

Aber ich schweife ab. Was ich eigentlich erzählen wollte war, dass ich mein Mobile oder besser gesagt die herausgefallenen Tasten geklebt habe. Ich packte also alles zusammen, deckte alle Flächen ab, die nicht beklebt werden wollten und trug einen Tropfen Sekundenkleber auf. Die Tube legte ich sorgsam beiseite und nahm das Telefon an mich. In der Zwischenzeit hat die Taste es irgendwie geschaft an meinem Zeigefinder anzukleben. Sekundenkleber klebt normalerweise in Sekunden. Dieser hier auch. Aber bisher war es so, dass man das dann immer noch abziehen konnte von Körperteilen, die nicht zum Verkleben gedacht sind.

Was soll ich sagen. Ich bin sagenhafte 10 Minuten in meinem Haus herumgegangen und hab versucht die Taste wieder runterzubekommen. Auf dem Finger nützt sie mir ja nicht wirklich viel. Zwischendurch noch schnell auf die Verpackung gekuckt — da grinst mir ein Chinese entgegen und meint freundlich “glues really everything”. Ja. Glaub ich.

Mit Wasser und viel Geduld hab ich das Elend dann beenden können. Ich dachte kurz ans Messer aber der Zeigefinger ist dann schon zu wichtig um leichtfertig angeschnitten zu werden.

Jedenfalls hat mein Mobile wieder seine Tasten (ich musste immer mit einem Stift rumklicken um SMSse zu erstellen und zu verschicken und das ist nun wirklich nicht optimal bei einem Versand von rund 30 Stück am Tag) und mein Zeige-Finger eine seltsam hornige rauhe Oberfläche. Besser als ganz ab. Sag ich mal.

Farangkind.

Shit. Ich muss mich hier von einem dummen rothaarigen aufmerksamkeitsbedürftigen Farang-Kleinkind aus dem Anwaltsoffice gegenüber angaffen lassen. Jetzt leckt das Ding auch noch die Scheibe an. Nenene. Wenn ich mal groß bin will ich Thaikinder haben…

(Nein, ich werde die Jalousien nicht zu machen, dazu laufen dann doch zuviele niedliche Thaifrauen im Gang herum.)

Zettelkasten

Es bildet sich so langsam ein Zettelkasten mit Ideen, Fragmenten, Sätzen, Worten und Zeich(nung)en. Muss ja nicht alles hier drinnen landen, hehe. Das im Kopf ist beständiger. Das auf dem Papier gibt vielleicht hinterher Aufschluss.