Samui? Samui!David's Neighbour's Notizen über sein Leben als Auswanderer auf der Insel Koh Samui in Thailand. Auf Deutsch, und so...

??berdenken

Hmm. Unsereins ist ja nicht mehr der Jüngste und so liegt auf meinem Schreibtisch ein Block mit Notizen zur aktuellen Lage. Nichtsdestotrotz frage ich pro Tag mindestens dreimal “Und was wollte ich jetzt gleich wieder machen.” Ist immer wieder interessant, was der Systemanalytiker von gegenüber darauf antwortet. Heute morgen nun fand ich das Wort “überdenken” auf dem Block. Alleinstehend. Kleingeschrieben. Schnell dahingeworfen, darauf deuten die flachen Linien des endenden Enns.

Ich weiß nicht genau, was ich überdenken wollte. Da gäbe es ja eine Menge. Hmm. Any Ideas?

Samui auf Flickr

Ich beschäftige mich ja derzeit ein bisschen mit Flickr . Da kann man verdammt viel finden. Auch Samui. Die nette kleine Insel. (Quasi als visueller Ersatz für ein paar deprimierte eintragslose Tage — ja, ich kann das inzwischen schon vorhersagen.)

Das erste Mal

So. Heute war es soweit. Ich habe die Tochter vom Englischlehrer seiner Frau kennengelernt. (Die Tochter der Frau des Englischlehrers? Des Englischlehrers Frau ihre Tochter? Hmm. Naja, seine Tochter dürfte das ja nun auch sein. Irgendwie.) Jedenfalls kam ich wie immer Haa Mong an, um meine Wäsche abzuholen (pünktlich vor dem diese Woche täglich prognostizierten Regenguss). Seine Frau kam mir entgegen, im Schlepptau ihre Tochter und stellte sie mir richtig formal vor, Hände auf ihrer Schultern und nach vorne schieben, “My daughter” sagen und überglücklich grinsen. Ich grinste zurück und sagte Hi. Die Tochter durfte mir dann den Preis sagen, dachte ich wäre ein dummer kleiner Farang und tippte 189 in einen Taschenrechner ein. Ich sagte “Kaojai. Roy Betsip Khaow Bat” was sie heftigst erröten lies.

Übrigens sieht sie überraschend süß aus. Auch wenn sie nicht errötet. Und erwachsen. Da lässt man sich gerne verkuppeln. Das nächste Mal mach ich dann ein Date aus :)

PS: Jetzt wo ich es nochmal überlese: Es könnte sein, dass das wirklich ein geplantes Treffen war, die Frau vom Englischlehrer kann nämlich überhaupt kein Englisch. Woher also bittesehr das “My daughter”?

Bangkok – Arbeitsamt

Ach übrigens war ich neulich mal wieder in Bangkok. Es ging größtenteils darum, gewisse Stempel, die mich als vollwertiges Mitglied der thailändischen Arbeiterklasse erstens ausweisen und zweitens auch im Lande legal rumsitzen lassen vom alten in den neuen Pass transferieren zu lassen. Das letzte Mal ging das ein wenig schief , weil ich nicht wusste, dass man dazu Geld benötigt. Im “normalen” Immigration-Office hätte es geklappt, aber wir sind ja übers BOI im Lande, was das alles etwas exklusiver macht. Und wer aus Goldschüsselchen fressen will, sollte auch das Gold dafür liefern.

Tun wir gerne. Nur hatte ich das letzte Mal kein Geld dabei, weshalb ich nun schon wieder nach Bangkok musste. Leider. Glücklicherweise konnte ich noch ein bisschen Software fürs Unternehmen und mir ein paar neue Klamotten (der entfettete Körper hält nicht mehr alles, was er übergestüpt bekommt) und Schuhe käuflich erwerben, so dass ich nicht vollends umsonst in Bangkok meine Tage und Nächte verbringen musste.

Aber: Was ich ja eigentlich erzählen wollte — das Arbeitsamt, wir Kenner der Materie nennen es gerne “One Stop Center for Visa and Workpermit”, steht immer noch da, wo es beim letzten Mal stand. Ich hab das nachgeprüft. Und die Taxifahrer kucken mich immernoch recht dumm an, weil ich nur die Thanon und nicht die Soi runterbeten kann. Und nun möge man mal einem nicht des Englischen mächtigen Thai in einfachen Worten klarmachen, dass es sich im Norden befindet und man es schon erkennen wird. Mein Fahrer hat dann an jeder Kreuzung angehalten und ich hab ihm gesagt, er solle weiterfahren, iss noch nich hier.

Wie auch immer, ich komme dort an, weiss schon, in welche Schublade ich fassen kann um den Antrag in die Finger zu bekommen, mit dem ich meine Stempel umstempeln lassen kann, fülle ihn aus (den Antrag), lasse mir eine Nummer geben. 28. Jiisip Bet. Das ist wichtig. Hört man irgendwo Jiisip Jet, dann kommt man gleich dran. Ich gehe an meinen Schalter und da sitzt sie auch schon. Die nette Beamtin, die mich beim letzten Mal “Do you feel uncomfortable now?” fragte. Ich fühlte mich sofort wieder komfortable. Sie grinste zu mir rüber. Ich zu ihr. Sie bearbeitete eine Japanerin, stand auf und flüsterte mir im Vorübergehen zu “You are number twentyone”.

Klar. Twentyone. Das ist dann, ähm, ja, Jiisip Ed. Klar. Viel verwirrender als die neue Nummer, die ich mir merken musste war, dass ich sie mir merken musste. Gut, ich war der einzige Farang, der hier ohne Anwalt und sonstigem wichtigtuerischem Anhang aufgetaucht ist, aber das gleich die Leiter hochrutschen lassen, ist ja nicht unbedingt ein Grund. Mal sehen. Ich saß also weiter vor mich hin, bis sie mich mit glücklichem Lächeln aufrief. Ich setzte mich also waiend zu ihr und sie nahm meine Papiere. Dann flüsterte sie mir verschwörerisch zu; “You know? I remember you. You remember me too?” worauf ich nur “Oh yes” anworten konnte. Vielleich etwas zu enthusiastisch weil sie gleich in einen Thaienglischschwall verfiel der in etwa darauf hinauslief, dass sie sich erinnert, dass ich damals kein Geld mit hatte und das ja lustig sei, weil Farangs bekanntermassen immer Geld haben und ich mich überhaupt nicht aufgeregt habe, was nicht unbedingt dem Norm-Farang entsprach. Dann erklärte sie ihren Kollegen, wer ich war, denn alle begannen plötzlich zu schnattern. Wer schon mal in einem Raum voll Behördenthais gefangen war, wird wissen, was ich meine. Jedenfalls prüfte sie meine Unterlagen, bemerkte kurz, dass ich das ja alles schon richtig ausgefüllt hätte und das alles ohne Hilfe, was? Und grinste mich wieder an. Ich grinste zurück und meinte Tschai.

Ok. Mir waren eigentlich alle Mittel recht, um endlich an die dämlichen Stempel zu kommen. Also lies ich mich angrinsen. Dann stellte sie fest, dass ich noch Kopien vom alten und neuen Pass ziehen muss. Ich dackelte also zur Kopierstelle, nicht ohne vorher gesagt zu bekommen “After copy you come back, I take care of you!” Schönschön. Ich lasse mich gerne caretaken, ging also nach dem Kopieren zurück und wurde mit überglücklichem Lächeln wieder begrüßt. “So, you want multiple entry or single?” Ich wollte multiple. Das heisst, dass der geneigte Südostasien-Reisende Thailand verlassen und wieder betreten darf. Und das gleich mehrfach! Schön. “Yes give me you picture!”

Ooops. Das hätte ich eigentlich wissen sollen. Man kann in Thailand keine Fähre betreten ohne nicht sein Passfoto abgeben zu müssen. Und wer hatte keines dabei? Na? Kommt, so schwer ist die Frage doch nicht! Genau. Ich.

An dieser Stelle kommt der Gehilfe unserer Anwältin auf die Bühne. Er taucht von hinten rechts an und sagt “Hallo Herr Kollitsch!” — Er sagte “Hallo Herr Kollitsch”, nicht mister, nicht hi, nicht sawadeekap, nicht khun, nein deutsch. (Kann der Deutsch? Hab ich was verpasst?) Jedenfalls nahm er die Fäden in die Hand, stellte fest, dass ich meinen Antrag korrekt ausgefüllt habe (“Ah, correct, and without help!”) und ich tatsächlich ein Passphoto brauche. Dann diskutierte er kurz mit meiner Behörden-Thai, die mich anlächelte. Und dann sagte sie mir, ich kann ruhig mal ein Passphoto machen lassen gehen, wenn ich welche habe, kann ich wieder zu ihr kommen. Dann lachte sie noch ein bisschen mit ihren Kolleginnen rum, dass der Farang schon wieder nicht alles beieinander hat aber niedlich sei, dass er es alleine versuche und ich begab mich über die Straße in ein mir vom Anwaltsgehilfen gezeigtes Gebäude, um einen Photographen zu suchen. Den fand ich dann auch, lies Photos machen und ging zurück zu meiner Behörden-Thai.

Die nahm das Photo, grinste mich an, sprach “I never was on Ko Samui. I think its beautytiful there.” und grinste mich an. 10 lange Sekunden. In meinem Kopf pendelten die Gedanken in die Richtung “Will sie jetzt eingeladen werden oder was?” und “Give mir meine Stempel, Bitch!” — ich entschloss mich dann schließlich, etwas von viel Verkehr und Touristen zu erzählen und dass es aber ein gooder Place to work sei. Sie lächelte noch ein Stück und begann in meinem Pass rumzustempeln.

Achtung. Jetzt kommts.

Sie stempelte 18 Stempel auf 4 Seiten meines Passes. Und einer (der wichtigste) wurde sogar noch mit einem Hammer reingehämmert, auf dass auch jeder im Großraumbüro sehe und höre, dass da wieder einer legalisiert wurde. Und das alles nur, damit ich hierbleiben darf. Ich versuchte, mich nicht totzulachen. Das gelang mir (Beweis ist dieser Eintrag). Der Gehilfe unserer Anwältin kam dann und wann vorbei und überwachte alles. Dann gab sie mir meinen Pass, meine Unterlagen, ich ging meine Quittung holen und war wieder legal im Lande. Wir kriegen bestimmt ne Rechnung von den Anwälten.

Ich frage mich nun seither, ob sie eingeladen werden wollte oder was das war. Aber Behörden-Thais stehen eigentlich nicht auf meiner Abschussliste. Vielleicht hatte sie ja am Wochenende nichts vor. Naja. Wir werden sehen. nächsten Juni geht das ganze Gelaufe wieder von vorne los. Dann laufen die Aufenthaltsgenehmigungen wieder aus.

PS: Und ja, ich habe die Druckerin wieder gesehen. Sie ist einen Tisch weiter nach links gerutscht. Vielleicht ein Schritt auf der Karriereleiter nach oben?

PPS: Mit diesem Bangkokbesuch habe ich das Kapitel Einbruch beendet. Zumindest in Behördentechnischer Hinsicht.

Bangkok…

… wird jedesmal besser. Allerdings auch schmutziger, verautoigter, heißer und nerviger. Was die Busfahrten angeht. Werde mal bei Gelegenheit den Zug testen. Mehr später.