Samui? Samui!David's Neighbour's Notizen über sein Leben als Auswanderer auf der Insel Koh Samui in Thailand. Auf Deutsch, und so...

Warmduschen

1 Stunde nachdem ich mein Haus bezahlt hatte rief mich Kiew (man spricht das etwa Kiiiechähooooh, mit leichtem Katzenfauchen beim ch) meine Vermieterin an und meinte, dass ihr gerade eingefallen wäre, dass ich kein Warmwasser im Bad hätte. Nun, das ist kein Problem für mich, weil ich eigentlich nicht warm dusche ;) Jedenfalls einigten wir uns darauf, dass ihr Bruder (Landkeeper unserer kleinen Bergsiedlung) das am Samstag erledigen würde. Diesen Samstag. Also übermorgen.

Heute morgen stand ein kleiner Thai vor meinem Haus und meinte zu mir “This afternoon I will make warm water in you house”. Ich schaute ihn ein bisschen entgeistert an und meinte dann “Ok. But I will not be here, I am working.” (Ich arbeite hart, den ganzen Tag. Und manchmal auch wenn die Sonne scheint.) Er jedenfalls meinte, kein Problem, er hat ja den Schlüssel. Gut zu wissen.

Ich rannte also in mein Haus welches derzeit ein wenig messie-haft aussieht und warf schnell alles, was mich den Eindruck eines unputzenden Singlemannes erwecken lassen könnte auf die Spielwiese und schloss da ab. Hoffen wir, dass er diesen Schlüssel nicht verwendet.

Und nun wundere ich mich wieder darüber, dass es doch tatsächlich Thai-Handwerker gibt, die ihre Aufgaben zwei Tage vor dem vereinbarten Termin (nicht normal) und nicht erst zwei Wochen danach (normal) ausführen. Und die Lehre von der Geschichte? Es kann immer vorkommen, dass unerwartet jemand ins Haus will. Also die Frauenklamotten und ?xte und Schaufeln immer schön wegräumen.

Breaking News: Die Digicam geht wieder

Eben wollte ich in einem Aufbegehren wilder Agressivität meine kleine kaputte Digicam medienwirksam zerstören. Ich legte nochmal zwei Akkus ein, um zu sehen, dass sie wirklich nicht geht. Sie ging nicht an. Ich legte zwei andere Akkus ein und sie ging an. Das ging ja immer, ich nahm sie also bei der Hand und holte zum Wurf aus, als beim Drücken auf den Auslöser statt des Geräusches des kaputten Ausschaltens ein Blitz erschien. Ein Foto ward gemacht.

Scheinheilig fragte die Kamera mich noch nach dem Datum und setzte dann alle Einstellungen zurück.

Nun funktioniert sie also wieder. Ich entsinne mich, dass sie ihren Funktionswillen aufgab, als Yai und ich in Bangkok im königlichen Wat waren, es schweinehei? war, sie eine SMS von einem ihrer Ex-Freunde erhielt in der er ihr viel Geld versprach, wenn sie zu ihm zurückkommen würde und ich sie vor einem der Tempelwächter fotographieren sollte.

Ich sage mal, die Kamera hat mehr Intelligenz als ein Brot.

Kajalstift

Heute morgen stand ich im etwas zu dunklen Bad vor dem halb beschlagenen Spiegel, betrachtete deprimiert meinen erstaunlich unmotiviert schlaff herunterhängenden Bauch, sah mir in die blutunterlaufenen dunkel beringten Augen und sagte zu mir selbst (ich spreche häufig zu mir selbst beim morgendlichen Reinigungsritual, das vermittelt ein gewisses uneinsiedlerisches Gefühl und bereitet meine samtene Stimme bereits im dampfgetränkten Ambiente meines Spas auf die Lasten des Alltags vor): “Jetzt wo du Autor mit Vertrag bist, könntest du ja nochmal die Sache mit dem Kajalstift überdenken, vielleicht sieht das ja doch ganz gut aus.”

Ich stockte kurz, dann wurde mir schlagartig bewusst, dass ich nun Autor mit Vertrag bin. Gestern abend hatte ich mein abschlie?endes Gespräch mit dem Lektor und dem Verleger (Hallo Ulf!) und in den nächsten Tagen kommt der Vertrag. Ich habe sogar schon ein paar Kapitel und sowas wie ein Abstract geschrieben, das der Lektor wohlwollend durchblätterte und dann, nachdem er sich festgelesen hatte, so dass Ulf und ich uns mit den Thais in der Bar beschäftigen konnten, mit einem zufriedenen Grinsen quitierte. Auf einige Kapitel angesprochen wurde mir dann schlagartig bewusst, dass ich vermutlich unter dem Einfluss von Mehkhong die besten Sätze schreibe, mein Wissen optimal vermitteln kann, den roten Faden legen kann.

Nun stand ich vor dem Spiegel (wir sind wieder bei heute morgen) und die Panik setzte ein. Würde meine unbesiegbare Liebe zu konjunktivistisch überstrukturiert veradjektivierten Schachtelsätzen ohne Kommasetzung die Qualität des virginiden Stoffes den zu beschreiben ich nun eingewilligt habe negativ beeinträchtigen oder wäre gerade dies der Anregung geistiger Tätigkeit meiner Leser dienlich? Ist das Thema wirklich bisher so unbeachtet, wie mein Verleger mir wortreich zu vermitteln suchte? Und überhaupt? Was wenn ich ausversehen tun schreiben würde oder nämlich mit h? Ok. Letztere Befürchtung brauche ich vermutlich nicht zu haben. Man hat ja einen Lektor heutzutage.

Und dann: Der Klappentext. Was soll ich denn da nur reinschreiben? In Selbständigkeit gescheiterter Ingenieur, frau- und kinderlos auf Koh Samui lebend mit Faible für das Betanken seines Honda-Mopeds (oder war es Toyota)? Und das Bild? Ich glaube, ich werde mein blaues Passphoto nehmen. Das kommt immer gut an.

Ich fühlte mich jedenfalls ziemlich aufgekratzt und erregt (psychisch) ob der neuen Situation. So etwa muss es jenen Bloggern gehen, die ein Jahr in der Gegend rumbloggen und dann vom Swinger-Club-Bekannten einer Ex-Freundin des Liebhabers ihrer Frau der zufälligerweise bei einem Verlag arbeitet (der Bekannte, nicht der Liebhaber) einen Vertrag über das ultimative Bloggingbuch angeboten zu bekommen und (diesmal wirklich absolut verständlich) über die Installation einer Bloggingsoftware (es gibt noch kein Textpatternbuch), die Bedeutung der Blogroll, wie der Schockwellenreiter (lebt der eigentlich noch?) in einem Neuköllner Hinterzimmer das Internet erfunden hat zu schreiben und warum es nun eigentlich “der blogg” hei?t.

Es ist ein aufregendes Leben.

Virtuelles Memory in der Laundry

Eben war ich mal wieder durchgeschwitzte Kleidungsstücke (was ich damit sagen will ist: Kähäääähähäh! Wir haben hier ewigen Sommer) in der Laundry abgegeben und wurde zu einem höchst interessanten Gespräch eingeladen:

Englischlehrer: You know Virtschulell Memmorrieh?

Ich: ?hm. No. ( immer noch besser es nicht zu kennen, als sich an einen thaisprachigen XP-Rechner setzen zu müssen )

E: Yes! Thats in Winnow. A Winnow opens all the time and say “Virtschulell Memmorrieh loo”. It ask if I want to increase.

Ich: And? Do you increase?

E: No and cannot shutdown the computer and have to reset.

Ich: I believe that if you click ok in this box the memory will increase itself and everything will be fine.

E: Truly? (_verschwindet in seiner Hütte, kommt nach ner Weile wieder raus_) Really!

Er war dann so glücklich, dass er mich sogar bewait hat (schon mal nen Thai gesehen, der gleichzeitig wait und einem versucht, die Hand zu geben? So stelle ich mir immer Schmiergeldzahlungen vor). Jaja. Immer gut, ein paar XP-Kenntnisse dabei zu haben.

PS: Er hei?t übrigens Englischlehrer, weil er mal am Anfang gesagt hat, dass er Englischlehrer sei. Was er aber sagen wollte war, dass er Englisch lernt. Trotzdem ist er seither der Englischlehrer. Au?erdem ist er ungefähr 50 und ein kleiner Hacker. Was ich interessant finde für einen kleinen Thai in seinem Alter. Und wenn ich mal zwischen zwei Laundrybesuchen mehr als 7 Tage verstreichen lasse, sagt er mir immer hinterher, dass seine Frau (die nur Thai kann und sich gerne mit mir unterhält) schon dachte, dass ich “zurückgeflogen” sei, worauf ich immer erkläre, dass ich nicht “zurückfliegen” werde.

Phii Nang Kwak

Der Geist Phii Nang Kwak ist ein guter Geist der für Reichtum und Wohlstand sorgen soll. Früher wurde er dargestellt als kniende Frau in Thaikleidung, die ihre rechte Handfläche nach oben hält, um den Reichtum in Empfang zu nehmen und mit der linken Hand den Besitz schützt (wenn man sie so aufstellt, dass sie mit dem Rücken zum Eigentum kniet). Inzwischen ist man aber dazu übergegangen, den Geist als Katze mit sich ständig bewegender Pfote darzustellen.

Falls sich also mal jemand wundert, warum in Thairestaurants überall bunte Glitzerkatzen (manchmal mit Uhr) rumstehen die mit der Pfote wackeln und einen Hauch von Japans bonbonfarbener Welt nach Thailand bringen — es geht ums Geld. Wie immer.