Samui? Samui!David's Neighbour's Notizen über sein Leben als Auswanderer auf der Insel Koh Samui in Thailand. Auf Deutsch, und so...

Reiscracker

Nach einem Yai-Photo muss quasi zwingend ein Photo von etwas Essbarem kommen. Hier wäre es dann. Ich mag neuerdings komische Reiscracker. Sie sehen ein bisschen pelzig aus (keine Ahnung, laut Yai ist da Fleisch im Spiel), sind ziemlich würzig und teilweise an ca. 12 Kilogramm Gewichtsverlust schuld. Letzteres bringt mich in erreichbare Nähe eines zweistelligen Gewichtes. Nicht dass man das sähe (hängt alles in der Gegend rum). Ich bin schon am ?berlegen, ob ich nicht mit Sport (Kickboxen?) anfangen sollte.

Yai

Das ist Yai. Yai ist 34 Jahre alt, Isaan (als solche Thai), ziemlich klein und weiblich. Man sieht es zwar auf dem Photo, ich wollte es aber nebenbei nochmal bemerken.

Dass das Photo übrigens so weichgezeichnet ist liegt an meinem überaus alten Photoapparat und der Tatsache, dass das ein furchtbar eiliger Schnellschnappschuss war. Sie hat nämlich die eigenartige Eigenart, beim Bemerken von photographischen Attacken ein Photogesicht aufzusetzen. Nicht so ein einfaches normales, nein, ein richtig seltsames. Gro?e runde Augen und ein Strichmund. Nene. Das war dann nicht sehr optimal für einen ersten Eindruck, weshalb ich in letzter Zeit öfters mal schockartige Schnellschüsse schoss und dabei dieses leicht drogenhaltige Ergebnis erzielte.

Jedenfalls arbeitet Yai im Pub, meinem Wohnzimmer.

Da ist übrigens auch das Photo entstanden. Im Hintergrund sieht man verschiedene Flaschen, einen Kühlschrank, den Popcorn-Automaten und den Strick von der Glocke die man nur läuten sollte, wenn man Jedem im Pub eine Runde ausgeben will.

Sie lacht gern, singt ständig (vor allem wenn ich sie mit dem Moped nach Hause fahre, ich weiss nicht genau, ob das eine ?bersprunghandlung ist ;) thailändische Lieder und isst gerne seltsame Sachen.

Die Menschen aus dem Isaan sind dafür bekannt, dass sie aus kargen Böden immer noch was nettes finden, bspw. Würmer, Käfer und anderen Kram. Bei kleinen Echsen sagt sie besonders häufig “Aroy maak maak!” (sehr sehr lecker).

Viele haben mich in den vergangenen Wochen gefragt, ob wir uns denn überhaupt verständigen können. Können wir. Es gibt da ja die These, dass emotionelle Bindungen unterstützend auf die geistige Fähigkeit älterer Menschen Sprachen zu lernen wirken kann. In der Praxis sieht das so aus, dass sie Thai spricht, wenn ich sie nicht verstehe auf Thenglisch wechselt und dann, wenn ich sie immer noch nicht verstehe, ein allgemeines Wörterbuchkramen beginnt. Man benötigt so zwar für manche Gespräche die 5fache Zeit, kann das aber genie?en. Und wenn sie zuviel und zu schnell Thai quatscht dann sag ich einfach ein paar Sätze auf Deutsch und sie lacht sich tot und spricht langsamer.

Thenglisch? Thenglisch ist die thailändische Art, Englisch zu sprechen. Dabei werden die Sätze wie im Thailändischen gebildet, die Worte aber durch die englischen Entsprechungen ersetzt. Thais nutzen keine Zeitformen. Thais verstehen meine Schachtelsätze nicht. Thais verstehen kleine nützliche Worte wie “yet, soon, too” nicht (was dann schon mal dafür sorgen kann, dass man zwei Stühle angedreht bekommt). Im schlimmsten Fall muss man sich die Bedeutung des Satzes aus dem Kontext herleiten. Beispiel: Kin Khaow. Kann hei?en “Hast du heute schon gegessen?” oder “Willst du was essen?”.

Egal. Es geht. Gut sogar.

PS: Das ist übrigens keine Kontaktanzeige, denn Yai ist schon vergeben. An mich. Einen neuen Photoapparat bräuchte ich aber schon mal demnächst.

Krungthep Mahanakhon 1.0 – Taxi, Taxi, Shopping, Taxi

In Bangkok hat alles seine Ordnung!

Gut. Nachdem ich es geschafft hatte, meine Botschaftsgeschäfte abzuwickeln ohne dabei lächerlich auszusehen (“Wieso haben Sie denn keine bessere Kopie Ihres Reisepasses gemacht?”) standen wir um neun Uhr morgens wieder auf der Stra?e vor der Botschaft und berieten, was denn nun zu tun wäre. Beziehungsweise ich versuchte, ein Gespräch diesbezüglich anzugehen. Yai war eher nach einem Parkbankaufenthalt und so schritten wir denn die Stra?e entlang auf der Suche nach selbiger. Gefunden, gesetzt, Leute und Elefanten angekuckt und mich begaffen lassen.

Elefant mit Rüssel.

Ich meinte dann, dass ich mich nach den Erfahrungen des Sonntags nicht unerheblich wohler fühlen würde, wenn wir Tickets für die Heimreise hätten. Also entschieden wir uns, erst einmal Fahrkarten kaufen zu gehen. Gute Idee. Einziges Problem war, dass weder ich noch sie wusste, wo genau wir denn abgesetzt wurden bzw. wo wir hin müssten, um zurück nach Ko Samui zu kommen. Also mussten wir wohl oder übel wieder das Risiko der Befragung eines Taxifahrers eingehen. Das dritte Taxi verstand dann endlich unser Begehr und jagte wieder in todesmutigem Tempo durch den langsam anschwellenden Verkehr. Nach 30 Minuten extremsten Adrenalinaussto?es kamen wir auf einem Busbahnhof an, dessen Name mir schon wieder entfallen ist. (Ich mach mir schon ein wenig Sorgen, wenn ich bedenke, dass ich das nächste Mal alleine nach Bangkok muss.) Dort kauften wir in einem (ich würde es) Reisebüro (nennen) Tickets für die Rückfahrt. Das Reisebüro hatte nur Thaischrift an den Scheiben und Wänden und ich hatte auch nicht dass Gefühl, dass die Thai hinter dem Tisch des Englischen mächtig wäre (Ich mach mir schon ein wenig Sorgen, wenn ich bedenke, dass ich das nächste Mal alleine nach Bangkok muss.)

Es war Morgen, die Sonne schien, was also lag ferner als ein Frühstück? Ich sah mich schon vor dampfenden Kaffee, Crossaints und komischem Schmierzeug, das den Eindruck europäischer Küche erwecken wolle und folgte Yai zu einem gro?en Loch in einem Haus. Was wie eine weit offen stehende Garage aussah, war ein ähm Restaurant. Ich überlies meiner Reiseleitung die Zusammenstellung des Frühstücks — ein Fehler, denn es gab Rührei mit komischen grünen Fasern drinnen, eine überaus leckere aber absolut tödlich scharfe Paste unbekannten Inhaltes, Fleischstücken, die man in Europa vom Sonntagsbraten abschneiden und wegwerfen würde knusprig kross gebraten, überaus ekelhafte gekochte Eier, die in einer Zuckerlauge eingelegt halbwarm gegessen werden mussten und ziemlich grau aussahen, seltsame gallertartige Bröckchen, die mir als eingelegtes Rindfleisch vorgestellt wurden (wenn es Rindfleisch war, dann war es lange eingelegt), ebenfalls schreiend süss in Zuckerlauge schwimmend und irgendwas komisches, was leicht nach Fisch schmeckte. Da auch hier anscheinend noch nie ein Farang zu Gast war, wurde ich natürlich geauestens beobachtet und gezwungen, auch wirklich alles zu testen.

Da ich diese Zeilen schreibe, habe ich es überlebt. Das nächste Mal bestimme ich aber die Lokalität und was auf den Tisch kommt. Jedoch habe ich das unbestimmte dumpfe Gefühl, dass ich mit Yai niemals bei einem Italiener oder anderem europäischem Essen landen werde. Ganz zu schweigen von MacDoof und PizzaHut. Könnte von Vorteil sein.

Derartig gestärkt entschieden wir uns für Shopping. Zum Betrachten von Sehenswürdigkeiten gingen unsere Interessen dann wohl doch ein wenig auseinander. Wir bestiegen also wieder frohgemut ein Taxi, heizten im Affentempo quer durch Bangkok und lie?en uns an einem Ort absetzen, wo man nach Aussagen von Yai wirklich gut Einkaufen gehen kann.

Fragt mich nicht, wo ich war — hier irgendwo um die Ecke.

Das Interessanteste war, dass in dem Kaufhaus auf 7 Etagen nahezu alles verkauft wurde, was man zum täglichen Leben gebrauchen konnte. Grösstenteils Klamotten. Es ist ja gar nicht zu fassen, wie ausdauernd so eine kleine Thai shoppen kann. Noch viel weniger zu fassen ist, wie voll das Kaufhaus war. Und absolut gar nicht zu fassen war, dass ich wieder der einzige Farang im Hause war. Könnte es sein, dass Farangs Bangkok gar nicht besuchen?

Nach 2 Stunden hatten wir das Kaufhaus abgearbeitet und gingen über die Stra?e in das nächste Kaufhaus. Dort gab es einen Foodcourt (yeah, Essen, lange nichts gegessen) wo wir uns ein paar frischgepresste Säfte gönnten und dem Volke beim Treiben zu sahen. Ich kaufte mir einen Rucksack (der geneigte Leser erinnert sich, man benötigte zum Abtransport meines Notebooks eine Verpackungsmöglichkeit) und betrachtete deprimiert Hosen, die zwar vom Schnitt her meinem Körper gewachsen gewesen wären, aber leider farblich sehr orange und pink.

Später spazierten wir über einen stark besuchten Markt. Ein lustiger Anblick, ein Meer aus Menschenköpfen und heraus sticht ein dicklicher Farang. (Ich war wie immer der einzige vor Ort).

Es wurde immer wärmer, stickiger, lauter und überlaufener, also entschieden wir uns, zurück zur Saftbar zu gehen und uns unseres Lebens zu freuen. Grö?tenteils durch durch das Führen von Gesprächen, was ja durch verschiedene Umgebungsbedingungen schon das fünffache der normalen Zeit benötigt.

Gegen fünf schlug ich dann vor, gen Busbahnhof zu streben. Zwar fuhr der Bus erst um sieben, aber die verbleibende Zeit kann man ja im Park verbringen. Dachte ich. Interessanterweise begannen just in diesem Augenblick alle Taxifahrer den Weg zum Busbahnhof nicht mehr zu kennen. Das könnte an einem kleinen Verkehrsproblem liegen, das Bangkok zwischen 17 und 19 Uhr häufiger hat.

Ein kleines Verkehrsproblem.

Ich machte mich schon damit vertraut, auch diesen Bus niemals besteigen zu können, als wir dann um sechs doch noch einen Taxifahrer fanden, der uns zum Busbahnhof brachte. Leider ging sein Taxameter nicht und wir mussten uns auf 400 einigen. Mit Taximeter wäre es ein Viertel gewesen. Auf der Fahrt erzählte Yai dem Taxi-Thai, was wir am Morgen alles gegessen hatten, woraufhin er mir bewundernde Blicke in den Rückspiegel warf und den Preis halbierte. Wir kamen fünf vor Sieben auf dem Bahnhof an, fanden den Bus eine Minute vor Sieben und fuhren dreissig Minuten nach Sieben los. Verspätung. Klar.

Jedenfalls war ich im Bus der einzige Farang, also kam ich in den Genuss eines schlechten thailändisch synchronisierten japanischen Filmes gefolgt von einer Karaoke-VCD.

Es gibt übrigens nur 5 thailändische Popsongs, die jeder Interpret in einer neuen Version interpretiert. Meistens geht es in den Songs um Männer, die ihre Frauen für andere Frauen verlassen, dann plötzlich feststellen, dass die neue Frau bereits einen Mann hat, auf Knien zurückgekrochen kommen und das Haus leer vorfinden, weil die erste Frau ihrerseits nun den Mann verlassen hat. Sehr komplizierter Stoff.

Der ganze Bus sang mit.

Gegen sechs Uhr Morgens kamen wir zur Fähre, halb acht hatte meine Insel mich wieder, halb neun war ich zu Hause, um neun lag ich im Bett (ich kann in Bussen auf thailändischen Stra?en nicht schlafen, was eventuell an den vielen Schlaglöchern liegen könnte) und träumte von Taxirennen und schwabbeligem Rindfleisch. Arbeiten war ich an dem Tag auch noch.

Und nächste Woche muss ich wieder nach Krungthep. Diesmal allein. Dann werde ich mal ein paar Tempel ansehen. Wenn ich sie denn finde.

PS: Viel langweiliger Stoff für 14 Stunden Bangkok. Länger sollte man da aber auch nicht bleiben.

Krungthep Mahanakhon 1.0 – Botschaften

Hab ich eigentlich schon erwähnt, dass ich neulich in Krungthep war? Hab ich? Ach ja. Stimmt ja. Gut, dann liefere ich schnell noch ein Nachtbild von unserem Stra?enaufenthalt in Surrat Thani nach:

Wie Sie sehen ist es dunkel und Autos fahren in der Gegend rum. Eigentlich stand rechts von mir der Katoey, aber das ist dann doch eher Yai. Egal, weiter im Geschehen.

Wir waren also kurz vor fünf in Bangkok angekommen und entstiegen schlaftrunken auf irgendeiner Nebenstra?e dem Reisebus, als wir auch schon umringt von Taxifahrern wurden und intensivst nach unserem Ziel in der Stadt gefragt wurden. Ich meinte, eigentlich müssen wir zur Sathanthut Tschörramann, aber die macht eh erst um neun auf, also können sie uns auch in Ruhe lassen, das hat noch Zeit. Das letzte haben sie nicht so richtig verstanden und so sa?en wir nach wenigen Minuten in einem netten Taxi, dessen Taxameter einem Festpreis von 300 THB wich. Kein Problem, wir sind in der Gro?stadt, das wird schon hinhauen, dachte ich mir und los ging die Reise. Der Taxifahrer unterhielt sich ausführlichst mit Yai und den Satzfetzen die ich verstand, konnte ich entnehmen, dass sie ihm nicht nur meine Lebensgeschichte sondern auch gleich noch den Einbruch und meine Passgeschichte erzählte. Ich muss bei Gelegenheit mal rausfinden, ob sie zu vertrauensselig oder ob das normal in Thailand ist.

Der Taxifahrer jedenfalls gab uns viele Tipps für das ?berleben in Bangkok mit auf den Weg (unter anderem, dass man Leuten, die einem vor Botschaften ihre Dienste anbieten, nicht unbedingt vertrauen sollte) und hätte uns am liebsten anderswo abgesetzt. Das wollten wir aber nicht, und so fanden wir uns nach einer irrwitzigen Fahrt durch leere Stra?en vor der Botschaft wieder, wo wir prompt von netten Menschen angesprochen wurden, ob wir nicht etwas kopieren oder unsere Anträge mit ihrer Hilfe ausfüllen wollten. Dass ich das alles bereits vorbereitet hatte, war nur ein Grund, warum wir ihre Hilfe ablehnten.

Es war viertel Sechs und wir hatten noch zweidreiviertel Stunden bis zur ?ffnung der Botschaft abzutöten. Das gelang uns unter anderem durch den Genuss heissen Kaffees aus 7eleven (ist es nicht schön, überall in Thailand ein bisschen Heimat vorzufinden?) und dem Sitzen an Bushaltestellen. Das war überaus interessant. Bangkok scheint morgens zwischen 6 und 8 ein Paradies für Schuluniformfetischisten zu sein. Interessant war auch, dass ich keinen einzigen Farang gesehen habe. Die Thais vermutlich auch nicht, so wie sie mich anstarrten.

Morgenverkehr im Botschaftsviertel 6:00 Uhr

Nach einer Weile wurde uns dann langweilig, die Uniformen der Schulmädchen waren nicht wirklich abwechslungsreich, also entschieden wir uns, etwas Nahrhaftes zu uns zu nehmen. Auf der Suche kamen wir an der Botschaft vorbei und siehe da, sie war bereits geöffnet. Man kann wohl ab 7:30 Uhr schon vorsprechen und Papiere ausfüllen, ab 8:30 Uhr dann ist “Schalteröffnungszeit”. Im Internet stand 9 Uhr. Nett. Aber da stand ja auch noch eine Faxnummer, die nicht mehr existierte. Jedenfalls war an Essen nun nicht mehr zu denken und wir gingen rein.

Die Botschaft wird derzeit renoviert, weshalb am Rand des Hauses auf einem ungefähr 1,5m breiten Weg eine Reihe Stühle aufgestellt war auf der jede Menge Thaifrauen mit ihren Farangs sich auf ihr “Visagespräch vorbereiteten. Scheint ja doch etwas schwerer zu sein, eine Thai einzuführen. Glücklicherweise musste ich mich nicht einreihen, sondern konnte gleich in die Botschaft hinein und meine Papiere abgeben. Im Warteraum sa?en dann drei Verkörperungen aller Vorurteile zu Männern in Thailand. Ein alter Mann, mit seiner jungen Thaifrau, ein jügerer Bayer mit seiner Thaifrau und ein 34jähriger Skinhead ohne Thaifrau. Der jedoch redete die ganze Zeit mit überaus penetrantem Berliner Dialekt über seine drei Thaifrauen, die er in den letzten zwei Jahren hatte. Irgendwie sind alle gestorben. Und nun will er wieder nach Deutschland zurück weil Thailand ja so Scheisse ist. Ich habe die ganze Zeit überlegt, ob ich kurz erwähnen sollte, dass man in Deutschland keine Hakenkreuze am Hosenbein tragen darf, unterlies das aber aufgrund seines Unbelehrbarkeit schreienden Erscheinungsbildes. Die weiteren Gespräche drehten sich um Kindergeld, das man wohl nicht mehr bekommt, wenn man kein Sorgerecht für das Kind hat und dauerhaft in Thailand lebt (ein Missstand, wirklich!), die Rente, die man wohl nicht mehr bekommt, wenn man nicht Rentenversicherung in Deutschland zahlt und dass man, wenn man seine Thaifrau betrügen will, ein bisschen einfallsreicher sein sollte und man mit Drogen in der Hosentasche die Polizei nicht auf sich aufmerksam machen sollte. Ich hatte schon nicht Guten Morgen gesagt, als ich reinkam und entschied mich bereits nach drei Sätzen der Teilnehmer dieser Selbsthilfegruppe mich jeglicher Beteiligung zu enthalten.

Als dann Punkt acht Uhr die amerikanische Botschaft nebenan ihre Nationalhymne in den morgendlichen Krungtheper Himmel schmettern lie? und Fahnen aufzog fühlte ich mich vollends wohl. Wie auch immer, irgendwann gingen die Rollläden an den Schaltern hoch, ich wurde auch bald aufgerufen und durfte meinen neuen Pass bestellen. ?hm, den neuen Pass und einen vorläufigen. Weil mein Visum vor dem Erhalt des neuen Passes abläuft. Da ich noch in Deutschland gemeldet bin, durfte ich gleich mal das Doppelte blechen. Und ich darf schon nächste Woche wieder vorsprechen und den vorläufigen Pass abholen. Fein. Ich reise ja so gerne nach Krungthep. Ein paar Unterschriften hinhauen, schnell vorbei an den Visafrauen und nichts wie raus aus der Botschaft.

Es war 9:00 Uhr und ich hatte alles erledigt, was ich erledigen wollte. Also auf zum Sightseeing und Shoppen. Oder so. Aber das erzähl ich morgen. Die Erinnerung an den Nazi und die Amis verhindert gerade ein wenig meinen Schreibfluss.

Krungthep Mahanakhon 1.0 – Erstmal hinkommen

Ok. Ich war also in Bangkok. Nur um diejenigen meiner Leser die beim Bemerken neuer Einträge mit einem “Oh, das sind aber wieder viele Worte” reagieren gleich zu Beginn abzuspeisen: Bangkok ist eine schreckliche Stadt. Schmutzig. Die Amis sind bescheuert. Ko Samui ist 5mal so teuer wie Bangkok. Ich kann in Bussen nicht schlafen. Und: Meine Freundin taucht in einigen Nebensätzen auf. Vielleicht sollte man doch alles lesen. Wenn nicht — mindestens drei Bangkok-Einträge werden es werden. Und nächste Woche fahr ich schon wieder dahin.

Ich hatte ja bereits erwähnt, dass Projekt Passebohrt mich nach Krungthep Mahanakhon, oder wie wir weniger faulen Vollständigkeitsfanatiker zu sagen pflegen Krungthep Mahanakhon Bovorn Ratanakosin Mahintharayutthaya Mahadilokpop Noparatratchathani Burirom Udomratchanivet Mahasathan Amornpiman Avatarnsathit Sakkathattiyavisnukarmprasit führen würde. Nun hatte ich Yai (ja, genau, kleine Thai) neulich gefragt, ob sie nicht mitkommen wölle (zum einen hat es den Vorteil, dass manche Thais einen Farang in Thai-Begleitung weniger intensiv abgreifen als einzelgehende Farangs, zum anderen wäre es eine geeignete Unterhaltung gewesen, denn die Fahrt mit dem Bus dauert ca. 14 Stunden. Die Antwort lautete immer “Nonooooh, must work haard tuuh matsch” oder ähnlich. Samstag Nacht nun sprach es hinter mir auf dem Weg nach Hause und dem Motobike plötzlich “Tirak, I come with you to Krungthep”. Ich möchte nocheinmal betonen, dass es ungünstig ist, auf Sand scharf zu bremsen. Nach einigen Nachfragen erkärte sie mir dann höchst charmant und in nicht wiederzugebenden Worten, dass sie der Meinung wäre, ich würde erhebliche Orientierungsprobleme haben und mein gutes Herz würde mich nur in komplizierte Situationen führen. Oder so. Ich brings also alleine nicht.

Wir haben dann Sonntag Morgen beim Bus-Ticket-Service angerufen und tatsächlich noch eine Fahrkarte bekommen. Einzige Bedingung: Die Karte muss bis 12 Uhr abgeholt werden. Abfahrt war also für 11:30 augemacht. Punkt 11:25 begann es zu regnen. Nicht ein bisschen sondern sehr. Ich bekam ein “No need to go, we can go later” zu hören und auf mein Bemerkung “noon” hei?e Mittag ein “I am Thai, I speak with she, she gives me Ticket, trust me”. (Ahnt ihr, worauf es hinausläuft?) Es regnete weiter und irgendwann mussten wir dann wirklich nach Nathon, weil um 16:30 Uhr der Bus gehen sollte und man 1h vorher einchecken sollte (klar, dumme Farangs, kommen eh zu spät). Wir kamen im Regen bis Chaweng, dann war die Stra?e überflutet. Also schnell das Moped wegpacken (nass waren wir eh schon) und ein Pritschentaxi suchen. Die ?berschwemmungen wurden in Maenam stärker, war schon gut so. Gegen 15 Uhr waren wir dann endlich in Nathon. Dort am Schalter sprach Yai eine Weile auf die Schalter-Thai ein und kam dann mit einem ziemlich bedröpseltem Gesicht zurück.

Tja. Genau. Das Ticket war weg. Ich bin ja eher froher Natur und so fand ich das anfangs noch recht lustig. Wir haben dann noch versucht auf einen Bus ohne VIP umzubuchen, das ging aber nicht. Die Optionen standen also auf alleine fahren. Inzwischen hatte sich aber schon einer der überall in Thailand heimischen Moped-Taxifahrer die Sache angesehen und bot uns an, uns zu einem anderen Anbieter zu bringen, der noch Plätze frei hatte. Ich war schon beim Lachen, also lachte ich weiter. Taxifahrer verdienen ja kräftig an derartigen Tipps. Wir entschieden uns aber, das mal anzutesten, Zeit hatten wir ja. Erwähnte ich schon, dass es ein Mopedtaxi war? Ja? Gut. Der Taxifahrer sass (aus technischen Gründen) vorne, ich hinten und zwischendrin Yai. Die Dreiertaxifahrt hab ich also auch schon hinter mich gebracht. Mehr dürften es dann aber auch wirklich nicht sein.

Beim nächten Busstand hatten sie natürlich noch Plätze übrig. Also gaben wir dem Taxifahrer 60 Baht (viel zu viel) und mein Ticket, was die V.I.P.Leute nicht zurücknehmen wollten und er zog von dannen. (Genauer gesagt, er lie? sich das Ticket geben, weil er mal kucken wollte, ob wir wirklich nach Krungthep wollten und gab es nicht zurück.) Als ich später Yai gegenüber bemerkte, dass der Taxifahrer mit dem Ticket vermutlich seinen Wochenlohn eingefahren haben wird meinte sie, das wäre gut für mich, denn ich habe eine gute Tat begangen und müsste dafuer nicht in den Tempel. Derartig beruhigt bestieg ich hinter ihr den fensterscheibenlosen mit mich anstarrenden Thais gefüllten klapprigen Bus und fuhr alsbald Krungthep entgegen.

Zumindest dachte ich das. Irgendwann aber wurden wir in Surrat Thani auf offener Stra?e aus dem Bus geschickt — wir sollten dort warten, man komme uns abholen. Wir, das waren Yai, Ich und ein Thai, der sich nicht sicher war, ob er denn männlich oder weiblich sei. Kay. Bis auf die fehlenden Augenbrauen, eine leicht affektierte Körperhaltung, einem Zöpfchen und der hormonbehandelt hohen Stimme sah sie (Kay) eigentlich ganz männlich aus. Nach einigen Versuchen, ein Gespräch in Gang zu bringen (sie (Kay) wusste nicht, ob sein (Kay) Englisch gut genug wäre) unterhielten wir uns dann aber gut. Es (Kay) arbeitet in Chaweng in der Transvestitenshow (ob ich mich denn nicht erinnern würde — tat ich nicht, was grö?tenteils daran liegen könnte, dass ich da nie war) und war auf Reise nach Krungthep.

Nun ja. Pro Minute kamen zwei Motor-TukTuks die wir abwimmeln durften. Wir standen lange. Es gibt anscheinend viele Motor-TukTuks in Surrat Thani. Und anscheinend keine Farangs. Denn wieder kam der Verkehr fast zum Erlahmen, weil jeder mich unbedingt sehen wollte. Nach einer Weile taten mir alle Gesichtsmuskeln weh vom ständigen Grinsen. Wir wurden immer noch nicht abgeholt. Also riefen wir mal beim Reiseveranstalter (muahahaha) an, der feststellte, dass er uns vergessen hat. Nach einer Minute rief er zurück und sagte, wir würden nun geholt. Nach weiteren 5 Minuten rief jemand an, der sagte, er würde uns nun abholen. Nach weiteren 5 Minuten kam der Busfahrer von vorher mit seinem Moped vorbei und fragte uns, warum wir noch hier rumstehen würden, der Bus nach Krungthep führe in 10 Minuten. Es wurden hektische Telefonate geführt und man sagte uns, wir sollen doch besser mal auf der anderen Stra?enseite (6 spurig, voll befahren) warten, dann kommen wir schneller hin. Nach weiteren 5 Minuten waren wir drüben. Wieder rief jemand an und sagte, er würde jetzt gleich da sein und wo wir überhaupt wären. Beim nächsten Anruf meinte ich dann, ob es denn so kompliziert wäre, zum Bus zu kommen, wir könnten ja doch auch ein TukTuk nehmen. Panische Gesichtsausdrücke bei allen beteiligten Thais. Die Stimme im Phone meinte, das wäre ok, ich solle das Telefon dem TukTuk-Fahrer geben. Gesagt getan. Der Taxifahrer bekam erklärt, wohin er musste und wir sa?en im MotoTukTuk. Als der dann anfuhr, bekam ich meine Erklärung für die vorhergehenden Gesichtsausdrücke. Aber man sollte das mal selber erleben ;]=

Letzten Endes fuhr das TukTuk in eine Gegend, in der immer weniger Licht brannte und wurde immer schneller. Ich hatte schon Szenarien vor Augen die mich um meiner Barschaften erleichtert irgendwo im Südosten Thailands im Reisfeld aufwachen lie?en. Plötzlich aber standen wir vor einem Bus. Gefüllt mit Farangs. Man entschuldigte sich tausend Mal, zahlte den TukTuk-Fahrer aus und wir bestiegen unser Reisedomizil. Plüsch! Roter Plüsch. Häkelgardinen. To Wong Foo lässt grü?en. Kay war glücklich. Nichtsdestotrotz war der Bus gemütlich. Und uns war versichert worden, wir würden in Krungthep Mahanakhon ankommen. Was auch der Fall war. Dreiviertel Fünf standen wir in Bangkok auf einer Stra?e, die aussah wie eine Nebenstra?e in Chemnitz (viele Stra?en in Bangkok sehen aus wie Chemnitzer Nebenstra?en). Keine Golddächer, keine TukTuks, kein Stra?enlärm. Einfach nur eine leere halogenbeleuchtete Stra?e.

So. Und wenn ich jetzt weiterschreiben würde, müsste ich zugeben müssen, dass ich die Digicam im Haus gelassen habe. Und Bilder nachliefern ist ja langweilig. Also müsst ihr mit dem Wissen leben, dass ich anscheinend wieder heil zurück gekommen bin.

Mehr gibts morgen.

PS: Ich finde es ja eigentlich blöd, dass Yai so einfach in den Nebensätzen auftaucht, als relativ konstanter Bestandteil meiner zuküftigen Einträge hätte sie ja einen Einführungseintrag verdient. Da sie aber plötzlich doch mitkommen wollte, hat sie mich ein bisschen überrumpelt. Naja. Die Vorstellung kommt noch.