Samui? Samui!David's Neighbour's Notizen über sein Leben als Auswanderer auf der Insel Koh Samui in Thailand. Auf Deutsch, und so...

Geschichten von der Tankstelle – Teil 2: Tagesjob

Jetzt wo man mir alles oder zumindest ‘meine’ Tankstelle die sich direkt auf dem Weg zur Arbeit befand und deren Tank-Thais mein ‘full please’ verstanden genommen hat muss ich mich gezwungenerma?en auf andere Betankungsmöglichkeiten in der Gegend konzentrieren. Und so sieht man dann und wann wenn das ‘Bitte betank mich wieder’-Lämpchen am Moped blinkt einen fusseligen Farang durch die Gegend heizen auf der Suche nach Brennstoff für den roten Teufel.

Neulich fuhr ich zu einer Tankstelle zwischen Lamai und Ban Huathanon. Bis Huathanon hätte das Benzin sicher nicht mehr gereicht, weshalb ich mich gezwungen sah, hier zu halten. Es bediente eine junge Thai, der man ansah, dass dies nur ihr Tagesjob war. Oder war es gar keine Tankstelle und ich hab da irgendwo was übersehen? Jedenfalls fragte sie ‘how much’ was ich leicht grinsend (Assoziationsverbot) mit ‘full please’ beantwortete. Sie sagte ‘full is one sixty baht’. Ich fand one sixty ein bisschen viel und meinte ‘ok, then i’ll take only two liter.’ was sie mit einem ‘ok’ und der Aufnahme emsigen Treibens an der Tankkurbel unter Zuhilfenahme eines gelangweilten Gesichts quittierte. Nach dem Ablassen ihrer 2 Liter sprach sie ‘Sixty Baht’ (schweineteuer), ich nörgelte innerlich, reichte ihr einen Hundertbahtschein, sie klopfte den Deckel den ich fast schon auf dem Tank hatte zur Seite, sagte ‘100 Baht, full’ und lies ihr Benzin weiterlaufen. Ich grinste müde (von dem Schein würde ich sowieso nichts mehr sehen) und lie? sie gewähren. Als sie fertig war, hatte ich einen halbvollen Tank und 100 Baht weniger.

Geschichten von der Tankstelle – Teil 1: Slapstick

Jetzt wo man mir alles oder zumindest ‘meine’ Tankstelle die sich direkt auf dem Weg zur Arbeit befand und deren Tank-Thais mein ‘full please’ verstanden genommen hat muss ich mich gezwungenerma??en auf andere Betankungsmöglichkeiten in der Gegend konzentrieren. Und so sieht man dann und wann wenn das ‘Bitte betank mich wieder’-Lämpchen am Moped blinkt einen fusseligen Farang durch die Gegend heizen auf der Suche nach Brennstoff für den roten Teufel.

Gerne fahre ich zu einer Tankstelle gleich in Ban Huathanon. Dort bedient eine überaus wohlansehnliche volljährige junge Thai in deren Stammbaum sicherlich irgendwo Charly Chaplin auftaucht. Warum? Nun, ich würde sagen, man kann ihre Handlungen mit lustigen Geräuschen (Boink, Zonng, Wrusch) unterlegen, die Farbe rausnehmen und hat ne Menge zu lachen.

Beispiel 1: Ich fahre an die Tankstelle heran, sie begrüsst mich mit einem leisen Sawadeekah und lässt erstmal einen Stapel Plastikflaschen von der Benzintonne fallen. Die hebt sie auf und wirft nebenbei mit ihrem knackigen ähm, also sie wirft schnell noch ein Schild um. Dann mit leicht peinlichem Gesichtsausdruck (können Thais eigentlich rot werden? Ich glaube nicht) öffnet sie meinen Tank und lässt schnell etwas Benzin ein. Etwas zuviel, es schwappt heraus, sie kreischt, hängt den nennen wir ihn mal ‘Tankstutzen’ wieder an die Tonne und beginnt panisch mein Moped trocken zu wischen. Anschlie?end wai-t sie mich, sagt Sawadeekah und verschwindet. Aus dem Haus hinter den Tanktonnen ruft eine ältere Frauenstimme, sie kommt wieder rausgeschossen, nun völlig aufgelöst und sagt verschüchtert ‘80 THB’. Die zahle ich gerne. Es war Unterhaltung pur. Als ich losfuhr, lies sie noch ein paar Plastikflaschen fallen. Danke!

Beispiel 2: Ich fahre heran, sie erkennt mich und ihr Gesichtsausdruck verdeutlicht das, was man hier rot nennen würde. Heute gibt es nur eine Tonne, die Benzin enthält und es ist eine ziemlich alte, an der man kurbeln muss und dann das Benzin durch die Wunder der Gravitation in Verbindung mit den hydraulischen Grundgesetzen durch einen langen Schlauch in den Tank flie?en lässt. Sie sagt ‘Sawadeekah, how much?’ worauf ich mit meinem fröhlichen ‘full please’ antworte. Sie sagt ‘yes fuel, how much’ ich sage ‘full’ sie grinst und schiebt sich zwischen der leeren und der vollen Tonne durch, kuckt auf den Tank, den Tankdeckel und murmelt ‘sii’ (4), kuckt in den Tank und murmelt ‘saam’ (3). Sie verschwindet wieder hinter ihren Tonnen und kurbelt 3 Liter hoch, reicht mir dann den Schlauch und murmelt mir aufmunternd zu ‘Hmm!’. Ok, ich denke mir, da Lange muss in das Runde und stecke ihren Schlauch tief in meinen Tank. Sie jauchzt leicht und zieht am Schlauch, so dass nur noch das krumme Ende des Tankstutzens im Tankloch hängt, dann öffnet sie ihre Schleusen und das Benzin flie?t hinein. In meinen Tank. Nun, ich muss am Ende der Prozedur nicht befriedigt ausgesehen haben — mein Tank war noch nicht ‘full’ — denn sie kurbelte grinsend einen weiteren Liter hervor und lies auch diesen sprudelnd in meinen Tank versinken. Naja. Der Tank war immer noch nicht voll, aber ich hatte erstmal genug. Ich zog also den Stutzen heraus, was sie mit einem weiteren Kichern quitierte, lies die letzten Tropfen am Tankrand abrollen und gab ihr ihren Tankstutzen zurück. Sie zockte mich ab und ich fuhr meiner Wege.

Insomnia – Resurrection

Ich habe in den vergangenen 4 Tagen insgesamt 8 Stunden geschlafen. Das nur am Rande. Ich fühle eine leichte euphorische Phase. Mein Schreibtisch gefällt mir. Mein Stammpub auch.

Deprokrastination – Die Stammkneipe

Ich hatte ja bereits erwähnt, dass mein 5-Tages-Plan verschiedene Aktivitäten vorsah. Unter anderem musste ich mal meine sozialen Kontakte ein bisschen mit der hiesigen Bevölkerung zu mergieren. Ich entschied mich also, mir eine Stammkneipe zuzulegen. So eine Stammkneipe zu finden ist keine leichte Aufgabe. Die ?lteren unter meinen Lesern werden sich sicherlich noch an die guten alten Kurzschnitt-Zeiten erinnern, als ich im Herbst 2000 in Lübeck auf der Suche nach einer ebensolchen (Stammkneipe) war und in einer Schwulenbar gelandet bin. Was also muss sie (die Stammkneipe) haben? Gute Musik, manchmal auch live, Bier, einen ex-Rastafari als Barkeeper (möglichst ohne Kuhflecken-Flausch-Lederhose) und jede Menge Stammgäste internationalen Flairs.

Glücklicherweise feierten wir am vorvergangenen Wochenende die Geburtstagsparty von James (Marketingmensch von 5phase auf dem Bürogang gegenüber) in einem Schuppen namens Springer-Pub in Chaweng. Sie hatten Chang-Beer, jede Menge skuriler Farangs und netter Thais sowie zu fortgeschrittener Stunde eine Liveband namens Siam, die überaus virtuos verschiedene Stücke aus der Rockgeschichte des vergangenen Jahrhunderts vortrugen. Der Pub selber befindet sich in einer aus Baumstämmen (ich entwickle in letzter Zeit eine gewisse Vorliebe für Baumstümme) zusammengezimmerten überaus gro?en Scheune mit allerlei Rocker- und Bikezubehör.

Beste Voraussetzungen also um mein Gefallen anzuregen und so entschied ich mich dem Springer-Pub eine Chance zu geben und lenkte am Freitagabend mein kleines rotes Moped gen Chaweng. Angesagt war eine Band namens ‘Boyd’ die Blues spielen sollte. Die Band bestand aus einem einzelnen Thai mit Gitarre, der wirklich gut vor sich hingeblueschrammelt hat. Ich war der einzige Gast und wurde entsprechend zuvorkommend behandelt und durfte Fragen über Fragen beantworten. Nach einer Stunde rief Yai (die Frau hinter der Theke) laut ‘Ah I know you from last Saturday! Yusset! Yusset on the couch!’ und wir unterhielten uns fortan prächtig. Ra (der Mann hinter der Theke) wollte mich dann an den Billiard-Tisch holen, was ich aber ablehnen musste (ich spiele so schlecht, dass man sich fragt, ob ich jemals Physik besucht habe). Wir sahen also fern, tranken Bier, quatschten vor uns hin und liesen Boyd Gitarre spielen. Nach einer Weile gingen ihm die englischen Bluessongs aus, also begann er, thailändische Volkslieder bluesig zu interpretieren, was alle im Pub zu lauthalsem Mitsingen animierte. Ra setzte sich dann hinter die Percussion und es wurde kräftig thaigejammt. Gegen 24 Uhr dachte ich mir dann, es waere nicht dumm, mal gen Hütte zu fahren, die haben eh nur wegen mir noch auf :) Als ich sagte, dass ich gehen will, musste ich erst noch einen Kaffee trinken, dann einen seltsamen Tee mit Zitronenbestandteilen, weil ich immernoch hustete und durfte erst dann unter der Zusage am nächsten Tag wiederzukommen und auch wirklich vorsichtig zu fahren (‘be drive careful!’) nach Hause. Nicht dass der Eindruck entstünde, ich hätte zuviel getrunken, es waren nur zwei Bier, aber irgendwie konnten die Leute nicht fassen, dass jemand aus Lamai nach Chaweng in den Pub geht. Aber das ist fast eine ganz andere Geschichte.

Das war ja schon ein guter Anfang.

Am nächsten Tag, dem Samstag, spielte die Siam-Band wieder. Das war die Band vom Samstag zuvor. Die Kneipe war nicht nur gefüllt mit Thais und Farangs, sie waren alle auch noch sehr gesprächig. So kam bspw. Stephen, einer der Stammgäste (Yai: ‘He is a little bit crazy’), bereits leicht vom Geiste erfüllt zu jedem und erklärte ihm/ihr schreiend mit übereifrigen Spritzern wilder Spucke selbst bei Silben, die weder ein F noch ein S noch ein P beinhalteten, dass er Geburtstag habe (‘Jah noh wott!!! I haaave birthday. Reeeelie! Today!’), tanzte im Laufe des Abends auf verschiedenen Tischen und anderen Einrichtungsgegenständen und trank kräftig weiter. Oder der Chef, ein eher spie?ig erscheinender Farang, der im Laufe des Abends eine Flasche Rotwein der Endverwertung zuführte. Ich führte jede Menge Gespräche, unter anderem mit den Mitgliedern der Band, seltsamen Thaifrauen (ich nahm an, sie wollten Kunden aufsammeln), Yai und Ra. Da gibt es genug Stoff zum Erzählen.

Ich muss gestehen, dass ich mich prächtig unterhalten habe.

Fazit: Stammkneipe gefunden. Mehr will ich jetzt gar nicht erzählen. Montags spielt eine Farangband, die sich selbst als Thailands beste Rockband bezeichnet, Mittwochs und Samstags die Siam-Band, Freitags gibt es Special-Guests und an den anderen Tagen ausser Sonntag gibt es thailändische Volksmusik (wenn ich das richtig verstanden habe). Ich kann also jederzeit mal vorbeischauen. Und ich glaube, dass mein Thai an diesem Wochenende einen Sprung gemacht hat, den es seit Monaten bei Neung nicht machen konnte. Ist halt doch besser, wenn man es auch mal anwendet.

PS: Warum ich mir in Lamai keine Stammkneipe suche? Nun, entweder gibts dort keine gute Musik oder man hat alle H??nde voll zu tun Verehrerinnen und Verehrer die sich als Verehrerinnen ausgeben abzuwimmeln. ‘Hello sweet man, what do you wanna do tonight?’ Neulich wurde ich das sogar schon auf dem Tesko-Parkplatz von einer 4er-Gruppe Frauen gefragt. Wird Zeit, dass hier wieder Hochsaison ist.

PPS: Schnute meinte, dass ich ein recht langweiliges Leben hier hätte, wenn ich immer im Pub rumhängen würde. Nun. Das sehe ich nicht ganz so. Ich treffe nette Leute, lerne eine Menge Thai (mehr als mit unserem Sprachlehrer) und kann Filme ankucken, die anderswo noch nicht mal angelaufen sind. Die Livemusik stimmt und ich brauche nie wieder Bier im eigenen Kühlschrank abzulegen. Will ich eins trinken, geh ich in meine Stammkneipe. Keine dummen Sprüche. Keine dummen Menschen. Ist schon in Ordnung. Ein bisschen Schade ist nur, dass sie in Chaweng liegt und meine Hütte in Lamai. Das verhindert ein gepflegtes Besäufnis, es sei denn, ich finde jemanden, der mich heimfährt. Aber es ist noch nicht aller Tage Abend. Bla bla. Fasel fasel. Die freien Tage haben sich gelohnt.

Deprokrastination – Möbelkauf

Nachdem ich anderthalb Tage im Bett verbracht und mir vor Langeweile Locken gedreht habe, entschied ich mich, etwas zu ändern. Es kann ja nicht angehen, dass ich hier zwischen Büro und Filmabenden vergammele. Ich erstellte mir einen Aktivitätsplan, dessen Punkte bis Sonntag abgearbeitet zu sein hatten. Nicht dass ich das nicht schon öfter gemacht hätte, es haperte bisher nur an der Erfüllung des Plansolls. Der Plan umfasste nur zwei kleine kurze Punkte: Schreibtisch kaufen, damit ich in meiner kleinen Hütte arbeiten könne und genügend Thais kennenlernen, damit ich mein Thai anwenden und lernen kann.

Wem das als leicht zu erfüllende Aufgabe erscheinen mag, der sollte sich mal zum Thema Soziophobie informieren.

Jedenfalls fuhr ich zwei Tage an verschiedenen Möbelgeschäften vorbei und entschied mich dann am Freitag (finally! it works! i am the human mule!) einen zu betreten. Drinnen schob ich mich an verschiedenenen Möbelstücken vorbei. Man muss sich das so vorstellen, dass da ungefähr 50cm breite Gänge sind an deren Seiten Möbel dreifach in die Höhe gestapelt werden. Ein netter Anblick, vor allem wenn man die Gesetze der Dynamischen Mechanik, die Erdbebenwahrscheinlichkeit in der Region und die Statik der vorbeiführenden Stra?e und deren Befahrer kennt. Ich suchte mir nichtsdestotrotz einen Schreibtisch mit tatkräftiger Unterstützung der Möbel-Thai und zwei Schubfächern aus und meinte dann “Oh, and I need a chair too” worauf sie begeistert “Yes, two chair” verlautbaren lies und mir verschiedene Stühle zeigte. Ich entschied mich für einen, erklärte ihr mehrere Male, dass sich mein “too” auf die additive Bedeutung des Lautes bezog und keine Mengenangabe war, zahlte und war zufrieden.

Punkt 1 erledigt.

?hm, oder auch nicht.

Sie frug “and where to deliver?” was mich vermutlich ein bisschen bleich werden lies (keine Sorge, das sieht niemand zur Zeit, ich hab die Sonnencreme vergessen, als ich am Donnerstag zu Tesko gefahren bin und sehe entsprechend aus). “?hm, thats a little bit complicated. you know pracharakpattana?” — “ah, lamaipattana?” — “nee nee, pracharakpattana, left, left and straight ahead there…”. Das zog sich ein bisschen hin, bis sie quer durch den Laden rief. Plötzlich waren wir von verschiedenen Thais umgeben. Zwei überaus alte zahnlose Männer, zwei ältere Frauen (aber deutlich jünger als die beiden Männer), eine Frau mit jeder Menge Goldkettchen und einem Tuxedo-Thai mit Aktenkoffer. Später kam noch ein kleiner hässlicher glatzköpfiger in der Nase popelnder Junge dazu. Alle sprachen gleichzeitig auf mich und einander ein bis sich schliesslich einer der alten Thais auf ein Moped schwang und entschwand.

Totenstille. Hört man selten in Thailand. Na gut, in letzter Zeit doch häufiger. Aber sonst relativ selten.

Nach 5 Minuten kam der Thai mit einem Moped mit Ausleger zurück und man begann meine Neuerwerbungen aufzuladen und zu lachen. Nach einigen Minuten war man auch damit fertig und wir (die beiden alten Männer und ich) setzten uns langsam in Richtung Hütte in Bewegung. Langsam ist vielleicht nicht der richtige Begriff, denn hätte man die Möbel getragen, wären sie zeitgleich mit den distinguierten Herrschaften angekommen. Aber ich will mich nicht beschweren, ich wei? die Sorgfalt des Transportes zu würdigen. Nach einer kleinen Weile stand tatsächlich ein Schreibtisch in und zwei alte erschöpfte Männer rauchend vor meiner kleinen Hütte.

Endlich. A real place to work. Mit Ausblick auf die Palmen hinter der Hütte. Nach 125 Tagen.

Und Punkt 2 auf der Liste? Sozialisierung? Eine Geschichte für sich.