Samui? Samui!David's Neighbour's Notizen über sein Leben als Auswanderer auf der Insel Koh Samui in Thailand. Auf Deutsch, und so...

Verschreibungspflichtig?

Pünktlich mit Beginn meiner freien Tage entschieden sich verschiedene Viren meinen Körper wieder zu besetzen. Wie das so ist mit mir verbrachte ich die letzten 4 Wochen mit gelegentlichen Hustenanfällen und verschob den Gedanken an eine Behandlung nach hinten. So ein bisschen Fieber und ein bisschen Husten fällt ja noch keinen Menschen. Da es aber an vergangene Woche ein kleines bisschen schlechter wurde und jemand in einem hochfiebrigen Augenblick den Begriff Denguefieber fallen lies und ich schon das Genörgel “Siehste, weil du nie zum Arzt gehst” im Hintergrund angestimmt sah entschied ich mich kurzentschlossen und überaus proaktiv eine Pharmazie aufzusuchen.

Dort angekommen denglischte ich gegenüber dem Kassen-Thai vor mich hin und führte ihn meinen Husten vor. Er sprach “Ah, Cough”. So lernt man Englisch. Einem Thai auf Deutsch und Pantomime was vorspielen und dann die Begriffe gesagt bekommen. Er frug “Yuhniedabblets?” was ich kurzerhand bejahte und ihn eine Tür im Hintergrund öffnen, einen Schwall lachenden Thais heraussprudeln und eine Thai erscheinen lies. Die Thai war recht jung, zog sich einen amtlich aussehenden wei?en Kittel an, steckte sich ein Namensschild an und öffnete dann eine Schublade. Heraus nahm sie jede Menge Kram. Sie schaute mich an und evaluierte “Ah, you have feaver!”. Hätte ich nicht gedacht, dass man mir das ansah. “You can take Pennicillin?” Ich erklärte ihr, dass ich Pennizilin nehmen dürfte. Sie nahm daraufhin zwei Packungen Tabletten aus ihrer Schublade und fing an, kleine Plastiktütchen zu beschriften.

Das Ende der Geschichte: Ich kam mit verschreibungspflichtigen Medikamenten nach Hause, die mir vermutlich von dieser Thai verschrieben wurden und werde in den nächsten Tagen nette fette Antibiotika zu mir nehmen. So einfach ist das. Ich versuch nächste Woche mal an Ritalin zu kommen. Witziges Detail vom Beipackzettel: Das Mittelchen wirkt sowohl gegen Infektionen der oberen und unteren Atmungswege als auch gegen Geschlechtskrankheiten. Sehr effektiv. Zwei Fliegen mit einer Klatsche.

PS: Ich habe natürlich erst am Sonntag angefangen, den Kram zu nehmen. Kommt mir nicht in die Tüte, dass ich Samstags nicht in meine Stammkneipe gehen kann. Klar. Ne?

Prokrastination – oder – Iced in (Tagebuch des Reconvaleszenten). Fragmente.

Moag. Ich nahm mir kurzentschlossen aus verschiedenen Gründen drei Werktage frei. Eigentlich wollte ich hier einen langen inneren Monolog zu den gro?en Themen des Alltags bringen. Der bzw. das hat mich aber derartig gelangweilt, dass ich ihn auf einige kurze Ausschnitte gekürzt habe.

Ausschnitt 1: Farbspiele

Noch etwas später

das Ich: Mir ist laaaaangwaaaailig!

das ?ber-Ich: Sammel doch alle Grün-Farbtöne, die du kennst. Angeblich sollen Frauen ja mehr Grüntöne kennen als Männer.

das Ich: Stimmt. Hmm. Hellgrün. Dunkelgrün. Jadegrün. Dingsbumsgrün.

das ?ber-Ich: Dingsbumsgrün?

das Ich: Ja. Hatten wir früher immer im Bad. So komisches Dingsbumsgrün. Hmm. Lindgrün? Ich glaub es war Lindgrün. Muss ich jetzt eigentlich jede abstrakte Assoziation vor dir rechtfertigen?

?ber-Ich: Ja.

das Ich: Dann sag ich keine Grüntöne mehr an.

das ?ber-Ich: Gott bist du dünnhäutig!

das Ich: Da fehlt ein Komma hinter dem Gott!

das ?ber-Ich: Quatsch! Ich meinte…

das Ich: Klappe.

später

das Ich: Patina.

das ?ber-Ich: Was?

das Ich: Patina. Wenn Kupfer oxydiert wird es grün und das nennt man (hoffentlich) Patina. Das ist ein Grünton.

das ?ber-Ich: Das zählt nicht, du wolltest keine Grüntöne mehr ansagen.

das Ich: Klappe.

Ausschnitt 2: Schrank aufräumen

später

Das Ich steht auf und verlässt den Schlafsaal.

die Prokrastination: Ey! Du wolltest heute im Bett bleiben.

das Ich: Klappe. Ich kuck nur mal eben, wie spät es ist.

Es ist 14 Uhr. Verwundert über eine derart lange Aufenthaltsdauer im Schlafgemach beginnt das Ich den Schrank aus und wieder einzuräumen und der Himmel zu regnen (eine Story für sich).

das ?ber-Ich: Ja super, was soll das nun wieder?

das Ich: Hier muss mal Ordnung rein. Man wei? ja gar nicht mehr, was alles in diesem Schrank versteckt ist, so chaotisch wie das alles zusammengestopft ist.

das ?ber-Ich: Weichei.

das Ich: Schnauze.

das ?ber-Ich: Weichei.

das Ich: Lieber weiche Eier als gar keine. (innerlich: Strike!! (Lautschrift: Stöööraiikk!!)

Betretene Stille. Das Ich räumt den Schrank auf.

das ?ber-Ich: Du. Das war aber jetzt verletzend!

das Ich: Ach ne? Echt. Hätte ich das gewusst, ich hätte es nicht gesagt.

das ?ber-Ich: Wirklich?

das Ich: Nein.

das ?ber-Ich: Nein im Sinne von du hättest es nicht gesagt oder Nein im Sinne von du hast das gar nicht so gemeint.

das Ich: Ja.

das ?ber-Ich: ähm, …

das Ich: Klappe.

Ausschnitt 3: Traumschaum

Es klingelt. Ich stehe auf, gehe an die Tür. Vor der Tür steht der Gerichtsvollzieher und begrüsst mich freundlich.

das ?ber-Ich: Du wolltest doch die Türe nicht mehr aufmachen, wenn es klingelt.

das Ich: Stimmt. Vergessen. Mist.

Die Vögel umkreisen den Gerichtsvollzieher der sich bückt und mit seinen grünen Fingern an deren Enden Noppen seinen Halt an der Wand gewährleisten aus seiner Aktentasche ein Räucherst&aumlbchen hervorzieht, es anzündet und in unseren Hausaltar steckt.

das ?ber-Ich: ?hm. Moment. Wir haben doch gar keinen Hausaltar.

das Ich: Stimmt. Seltsam.

das ?ber-Ich: Ein Traum.

das Ich: Ah!! Das würde einiges erklären.

das ?ber-Ich: Ja.

das Ich: Ja.

das Kind im Manne: Wollen wir ihn mit Litschi-Sirup beschmieren?

Ausschnitt 4: KungFu

Er bringt seine Wäsche zur Wäscherei, kauft Milch und (Trink)Joghurt und sieht sich ‘Kung Fu Hustle’ zum vermutlich zehnten Mal an.

das ?ber-Ich: Ich versteh wirklich nicht, warum du dir diesen Film ständig ansiehst. Du verstehst kein Chinesisch und KungFu-Filme magst du schon gar nicht.

das Ich: Moschi moschi!

So ging das die ganze Zeit weiter. Nach den drei freien Tagen kam ein Wochenende. Nichts wirklich Interessantes. Wir haben also nichts verpasst und gehen weiter im Protokoll.

Wasser, Wind und Holz

Es warnen ja immer wieder die intimen Kenner des Verkehrs auf der Insel vor dem Mopedfahren ohne Helm. Schlie?lich kann da ne Menge passieren. Man kann von einem Truck von der Stra?e gewischt werden, gegen andere Verkehrsteilnehmer fahren oder einfach so vom Moped fallen. Was diese Leute nicht wissen ist, dass man ebensogut von einem Baumstamm vom Auto gewischt und mit gespaltenem Kopf auf die Stra?e geklatscht werden kann. Da hilft dann auch kein Plastikhelm.

So ges(ch)ehen gestern.

Das ganze Wochenende durch war das Wetter schon wie immer am Wochenende. Verregnet und überaus stürmig. Gestern morgen dann schien die verlogene Sonne und animierte mich zu einem Teskobesuch. Sonntags fahre ich immer den “langen Weg” zu Tesko, untenrum und über Ban Nathon. Dort sieht es noch so aus wie neulich. Weshalb ich ziemlich schnell bei Tesko war. Nach dem Einkaufen steht sonntags immer ein ausgedehnter Cafe-Besuch mit Leute-Beobachten an. Diesmal ging das nicht, denn das Cafe war voll. Als ich rauskam, sah man dann auch, warum. Ein Unwetter lies jede Menge Wasser durch die Luft flie??en. Ich wei? nicht genau warum, aber man war auch unter dem Motodrom (muahahaha, also der Mopedparkplatz, überdacht) nicht vor den Regenmassen geschützt. Ich testete also meine Einkäufe und wartete auf das Ende des Regens (glaubt man den Kennern, regnet es hier nur 5 Minuten — lustig, wie schnell sich Kenner disqualifizieren).

Nach einer Weile hörte es auf zu regnen, ich trocknete mein kleines Moped ab und fuhr los. Es fing wieder an zu regnen.

Hierzu muss man wissen, dass diese Insel und das Wetter eine Arbeitsgemeinschaft eingegangen sind, um mich mürbe zu machen. Wenn es um mein Haus herum regnet und ich auf Arbeit oder anderswo hinwill, dann läuft das immer so ab: es hört auf zu regnen, ich geh raus, trockne das Moped ab, es fängt an zu regnen, ich geh rein, es hört auf zu regnen, ich geh raus, trockne das Moped ab, es fängt an zu regnen, ich geh rein, es hört auf zu regnen, ich geh raus, trockne das Moped ab, es fängt an zu regnen, ich geh rein, es hört auf zu regnen. Meistens kann ich nach dem dritten Mal dann los fahren. Ich habe auch schon versucht, nur drei Mal das Rausgehen anzudeuten, aber die zwei lassen sich nicht hinters Licht führen.

Jedenfalls regnete es wieder, sobald ich auf der Stra?e war. Dazu kamen Windstö?e, die mich zuweilen unfreiwillig die Spur wechseln liesen. Ich fuhr in einer Wagenkolonne so vor mich hin. Nach einer Weile kamen wir an einer ziemlich gefährlichen Stelle vorbei, wo Felsen auf der einen Seite und das Meer in 30 Metern Tiefe auf der anderen Seite die Stra?e einsäumen. Ich war noch ca. 50 Meter von der Kurve entfernt, als auf der Gegenspur ein Wasser-Pickup um die Kurve kam. Wasserpickups sind Pickups mit 25 Liter Wasserflaschen. Hinten sitzen meist ein paar Thais auf der Ladefläche, die die Flaschen dann schleppen dürfen. Auf diesem Pickup sa?en auch Thais. Ein Windsto? kam. Ein Baumstamm segelte vom Felsen herunter, traf einen dieser Thais mit voller Wucht, riss ihn mit sich, schmetterte ihn auf die Stra?e und zersplitterte.

Der Thai war vermutlich schon tot als der Baumstamm ihn traf. Wenn nicht, dann hätte ihn wohl das Zerspittern seines Schädels beim Aufschlagen auf den Asphalt getötet. Er lag da so auf der Stra?e, Blutlachen breiteten sich aus und alle standen nur so rum. Die Thais waren überaus geschockt und niemand regte sich oder sagte ein Wort. Das war ziemlich gespenstisch. Es ging auch niemand zu ihm hin. Es bildete sich ein gro?er Kreis aus Autos, Menschen und ein kleiner Kreis aus Blut. Er lag auf dem Bauch, sein Körper leicht gekrümmt, als ob er noch sä?e, die Arme an der Seite, die Handflächen nach oben.

Nach einer Weile löste sich der Kreis auf und jemand begann den Verkehr um den Toten herum zu regeln und die Autos und Mopeds weiter zu schicken. Als ich weiterfuhr war noch niemand zu ihm gegangen. Der Wasserpickup blieb wohl so 100 Meter entfern stehen. Ausgestiegen ist niemand.

Auf meiner Stra?e haben sich auch alle Palmen ihrer Nüsse und Blätter entledigt. Die Stra?e sieht aus wie ein Schlachtfeld.

Naja.

Ich habe ja schon gehört, dass die Thais in der Lage sind, alles Schlechte mit einem Lachen wegzuwischen. Es ist aber sehr interessant zu sehen, dass sie durchaus geschockt sein können. Lange wird das nicht anhalten und sie sitzen wieder lachend auf der Ladefläche ihrer Pickups. Es stimmt schon, wenn man als Thai älter als 40 Jahre wird, ist man alt.

Und ich?

Ich habe in den letzten Jahren einiges gesehen, was ich, würde es in einem Film vorkommen, als überaus schlechten Special Effect abkanzeln würde. Da ich aber in keinem Film lebe, scheinen schlechte Special Effects zum Leben zu gehören. Wir stumpfen ab (s/wir stumpfen/ich stumpfe). Und der Beobachtermodus als Selbstschutz funktioniert immer noch ganz gut. Ich habe natürlich nicht geschlafen heute und werde es die kommenden Nächte wohl auch nur mit träumlichen Beeinträchtigungen.

Und heute scheint die Sonne wieder.

Probleme?

Das Mädchen das nie lächelt muss wohl ziemliche Probleme haben, denn eben lief sie bepackt mit einem Glas Milch, einem Glas Saft, jeder Menge Blumen, Unmengen an Räucherstäbchen und so seltsamen Pendelstrippen zum örtlichen Geisterhaus und wai-te, was die Wirbelsäule hergab.

Ist interessant wie die Geister trotz Buddhismus’ überall hervorschauen. Mal sehen, obs was bringt.

PS: Es scheinen viel schlimmere Probleme zu sein, als bisher angenommen. Jetzt kam sie mit einer Platte Obst und stellte das ab.