Samui? Samui!David's Neighbour's Notizen über sein Leben als Auswanderer auf der Insel Koh Samui in Thailand. Auf Deutsch, und so...

Alt

Verdammt (Schnauze, das ist mein Blog, hier darf ich fluchen wie ich will)!!!

Eben hatte ich im Kopf einen Dialog mit einem erheblich jüngeren Skriptkiddy und beendete meine überaus brauchbaren Belehrungen mit den Worten “Naja, das wirst du auch noch lernen, wenn du mal in mein Alter kommst.”

Sowas sagen doch sonst nur alte Leute. Herrje. Ich werde alt. Ich werde einer von ihnen. Da kommt man nicht drumrum. Ich glaube, ich brauche Kinder. Zur Kompensation.

Ob ich mich mit 60 auch noch so jung fühlen werde wie jetzt? Ich finde, ich sollte langsam Falten oder sowas bekommen, damit ich jeden Morgen vor Augen habe, dass es vorbei mit der Jugend ist.

Ich setze erstmal die Geburtstage für 5 Jahre aus. Das hat schonmal geholfen.

PS: Gemerkt? Ich gehe von einer Lebensdauer von mindestens 60 Jahren aus. Ist das nicht ne nette Nebeninformation?

Homebanking Thai-Style

Nun, ich hatte bereits mehrere Male berichtet, dass ich allmonatlich (eigentlich den ganzen Monat hindurch) versuche Geld aus meinen reichhaltigen Pfründen hier nach Deutschland zu schieben. In Deutschland leben meine Gläubiger und denen geht es nicht so gut, wenn sie kein Geld bekommen. Ich habe viele Gläubiger. Seit drei Monaten betrete ich nahezu jede Bank und frage, ob es denn möglich wäre, Geld nach Deutschland zu schicken. Immer sagen die überaus freundlichen Schalter-Thais ja, stellen dann aber fest, dass sie das Ja für Transfers nach Thailand meinten, nicht aus Thailand, das wiederum ginge nicht. Western Money Transfer bieten alle Banken vollmundig als schnellste Art Geld weltweit zu bewegen an. Aber anscheinend werden die Angestellten nur für das Ausfüllen der Receive-Formulare ausgebildet, nicht für die Send-Formulare.

Das ist die wahre Hölle. Ich dachte ja, es wäre die Hölle gewesen, als ich mit 500 Euro Sozialhilfe im Monat in Deutschland auskommen musste, aber es geht tatsächlich besser: Geld haben und nicht dahin schicken können, wo man es braucht.

Interessanterweise bietet das thailändische Bankensystem (auf der Insel habe ich drei verschiedene für Normalmenschen zugängliche Bankketten gefunden und auf die trifft das zu) so etwas wie ?berweisungen und Lastschriften nicht an. Bankkonten sind dazu da, Geld rumliegen zu haben. Will man was kaufen oder bezahlen, dann hebt man das Geld ab und trägt es bar zum Händler. Sehr effektiv.

Was geht sind Kreditkarten, die wiederum bekommt man aber erst nach dreimonatigem Zahlungsfluss (was nun langsam erreicht sein dürfte).

Nun, gestern war also Paniktag angesagt, weil ich weder über dunkle noch über helle Kanäle mein Geld nach Deutschland schieben konnte. Ich habe mich also auf einen Amoklauf vorbereitet und mir vorgenommen, die Hauptfiliale meiner Bank in Ban Nathon nicht zu verlassen, ehe ich eine verbindliche Zusage für einen Geldtransfer habe.

Ich ging in die Bank und diesmal nicht gleich an einen Schalter, sondern blieb erstmal im Eingang stehen und schaute ein bisschen in der Gegend rum. Das hätte ich mal viel früher schon so machen sollen. Denn plötzlich kam aus der hintersten Ecke ein kleiner Banken-Thai angewuselt und fragte mich in überaus verständlichem Englisch (eine Seltenheit in Thailands Banken), was mein Begehr wäre. Ich erklärte ihm, dass ich Geld nach Deutschland schieben wolle (und er sich ja nicht bewegen solle, sonst wärde mein Finger am Abzug der Pumpgun nervös und das wöllten wir doch beide nicht).

Oh Wunder. Der Himmel weinte eine gro?e dicke blaue Träne, Engels-Chöre erklangen und ein starker Sonnenstrahl brach sich den Weg durch die Scheiben die Stelle erhellend auf der ich stand. Die Zeit stand für einige Sekunden still und niemand bewegte sich. Ein Schmetterling umtänzelte meinen Kopf und flatterte davon.

“Yes Mister, this is possible” sprach der Thai “please follow me”. Ich versuchte mir nicht anmerken zu lassen, dass sich hinter meinen klaren graublaugrünen Augen ein See von Glückstränen verbarg und followte ihm. Am WesternMoney-Tisch (erkennbar durch gepolsterte gemütliche Sitze, andere Schalter haben Holzstühle stehen) bereitete er mir ein Send-Formular vor und lies mich mit einem weiblichen Banken-Thai zurück.

Dieser weibliche Banken-Thai konnte anscheinend nicht allzugut Englisch, denn auf meine Frage “could I please get a new form, I wrote the wrong name in here” meinte sie freundlich “yes, you have to sign here” und tippte auf das Ende des Formulares. Nun, ich strich den Namen einfach aus und schrieb den Receiver-Namen dahinter. Dann signte ich den Kontrakt und schob alles rüber. Sie sagte freundlich “one moment please” und verschwand. Nach 10 Minuten wedelte sie am Tisch vorbei, sagte “one moment please” und entschwand wieder. Man sah sie dann und wann an verschiedenen Stellen der Bank auftauchen und Stempel und Unterschriften von verschiedenen wichtig aussehenden oder sich habenden Personen einholen. Nach weiteren 10 Minuten erschien sie wieder, gab mir einen Beleg mit dem ich nun den weiteren Werdegang meines Geldes nachverfolgen könne und liess sich von mir das verschobene Geld geben. Ich gab es nur wiederwillig. Es fühlt sich gut an. Ein Bündel aus vielen Tausenderscheinen in den Händen zu halten. Bündel.

Jedenfalls habe ich es geschafft, Geld nach Deutschland zu schicken. Nun muss es nur noch ankommen. Ich bin gespannt.

PS: Sobald ich meine Kreditkarte habe, läuft das weitaus effektiver ab. Ich lege mir ein Paypal-Konto für das Deutschland-Bankkonto zu und lasse Paypal meine Kreditkarte belasten.

PPS: Lehre aus dieser Geschichte: In thailändischen Banken als Farang nicht in die Schalterschlange stellen sondern einfach stehen bleiben. Die Banken-Thais kommen dann schon, weil man die Aussicht auf die Stra?e verstellt und fragen, was man will und meistens ist das dann ein Thai, der des Englischen mächtig ist und nicht nur auswendig gelernte “juh sään hier” verspritzen kann.

Irgendwie ist ein Feiertag

Irgendwie ist heute ein Feiertag. Wir wollten grade Mittag essen gehen, aber irgendwie sind auf 100 Meter alle Restaurants geschlossen. Ohne Vorwarnung. (Weiter sind wir nicht gekommen, weil es dazu noch ziemlich warm ist. Da bewegt man sich nicht allzugerne.) Als ich heute morgen aus Ban Nathon zurück kam, lief ein seltsamer Mönch durch Lamais Stra?en und alle Leute versuchten irgendwie ihm Schatten mit ihren Schirmen zu spenden. Der war wohl ziemlich wichtig.

Wie gesagt. Unerhört. Ein Feiertag. Und unsereins muss unter dem Joch der Arbeit hier, rum, arbeiten.

Trockenzeit, jaja

Soso. (Schon gemerkt? Ich liebe Doppelungen kleiner Wörter. Blabla.) Trockenzeit haben wir also. Ich glaubs sogar. Und seit drei donnert und leuchtet der Himmel als ob er die Insel zurückerobern will. Die Luft ist seltsam feucht, als ob die Wolken sich jeden Moment in ihre Bestandteile auflösen wollen.

Koinzidenterweise findet das Ganze an dem Tag statt, an dem ich nach Ban Nathon (auf die andere Seite der Insel) muss, um irgendwie Geld nach Deutschland zu schaufeln. Naja. Mopedfahren im Regen macht auch Spass. Ich seh nass nur immer sehr unbonibel aus.