Samui? Samui!David's Neighbour's Notizen über sein Leben als Auswanderer auf der Insel Koh Samui in Thailand. Auf Deutsch, und so...

Hinweis am Rande

Nougat-Schokolade passt nicht in Päckchen, die nach Thailand geschickt werden. Erstens werden die Päckchen unschön behandelt — geworfen, geschleudert, gematscht — und gewisse Verpackungen platzen gerne auf. Zweitens liegt Thailand in den Tropen, was gewisse Temperatur-Probleme mit sich bringt — vor allem, wenn Nougat schon bei Temperaturen weit unter 100 Grad Celsius schmilzt.

Und dann war da noch das: Ich habe jetzt genügend Klops-Pulver für die nächsten vier Monate. Yeah. ?lter werden lohnt sich :)

Die Koalition der Versöhner

So erdrutschartig kann der Sieg der Pheua Thai Partei am Sonntag gar nicht gewesen sein, denn heute kündigt Thaksins Schwester, unsere zukünftige Prime Ministress, an, eine Koalition aus 5 (fünf) Parteien zu führen. Damit kommt die neue Regierung auf 299 Sitze im Parlament — was lt. Yingluck Shinawatra eine “wunderschöne Nummer” ist.

Politikpoesie beiseite: Zur Koalition gehören die Pheua Thai Partei, Chart Thai Pattana, Chart Pattana Phua Pandin, Palang Chon (die ich auch erstmal nachschlagen musste) und die Mahachon Partei.

Sooooooooo. Eine der Parteien in dieser Koalition mag dem Kenner der Materie seltsam vorkommen — die Chart Thai Pattana Partei. Das aber auch nur, weil sie mit einer Partei, die nicht in der Koalition der Versöhner vertreten ist, eine andere Koalition eingehen wollte. Der “Chef” dieser Partei, Sanan Kachornprasart wird von meinen Freunden mit recht unschönen Titeln versehen, nicht nur, weil er eine leicht muroide Gesichtsform hat sondern auch, weil er leicht muroide Charakterzüge hat.

Andererseits, Sanan findet nichts Falsches dabei, mal schnell eben die Koalition zu wechseln — “Freunde sollten sich verstehen. Politiker verstehen ja schliesslich auch, was hier passiert ist.”

Abhisit ist derweil als Vorsitzender der Demokraten zurück getreten und wird von seinen Schafen auf den Knien rutschend angefleht, doch wieder die Leitung zu übernehmen.

Leider hatte ich heute keine Kamera dabei als ich an der Niederlassung der Demokratischen Partei in Nathon vorbei kam (jede Insel, die was auf sich hält, hat eine solche Niederlassung). Dort stand umgeben von Leere ein einzelner Tisch mit drei hochgestellten Stühlen herum. Kein Mensch in der Nähe. Poetisch.

Oh, und dann war da noch das: “Corruption is another problem that we will solve.”

Yeah, sure.

Wahlkrampfticker

Thailand hat gewählt — erwartungsgemä?. Wie schön, dass die neue Regierung “reconciliation”, also Versöhnung, will — dumm nur, dass da der Name Shinawatra mit drinnen hängt und die Versöhnung einen Preis hat.

Wie auch immer, die Pheua Thai Partei hat (den ersten Statistiken zufolge) “erdrutschartig” gewonnen. Nun gehts also bergauf und die internationalen Medien berichten schon freudig, dass Thailand seinen ersten weiblichen Ministerpräsidenten gewählt hat. Also sozusagen die prime ministress. Das Beste an der ganzen Sache ist, dass er (der neue weibliche Ministerpräsident) genauso hei?t, wie einer der vorhergehenden Ministerpräsidenten (drei, vier oder fünf Ministerpräsidenten zuvor, fünf Jahre zuvor), was die ganze Briefkopfdrucksachenerstellung extrem vereinfacht.

Die Wahlen hatten auch ihr Gutes — es wurden 36 gesuchte Straftäter festgenommen , die versucht haben, ihre Stimme abzugeben.

Und somit endet eine weitere Wahl mit dem Ergebnis, dass Abhisit (amtierender Premierminister von Thailand) wieder nicht demokratisch ins Amt gewählt wurde. Armer Kerl.

Und dann war da noch das:

Sonthi Boonyaratglin ist traurig, dass ihn so wenig Leute gewählt haben. Er meint, das liege daran, dass so viele Leute “die gro?en Parteien” gewählt haben. Könnte stimmen. Andererseits — warum sollte man jemanden wählen, der je nach Jahreszeit Versprechungen macht?

Chamlong Srimuang, einer der Führer der Gelbhemden, konnte heute nicht wählen , weil er sich nicht ordnungsgemä? umgemeldet hatte. Dumme Sache das. Seine Erklärung war, dass er sich nicht ummelden konnte, weil er so beschäftigt damit war, zu demonstrieren. Und damit sind wir auch schon beim gro?en Problem der Gelbhemden — sie sind ganz gut beim Demonstrieren, gehen aber nie zur Wahl… weshalb immer die Falschen gewinnen… weshalb die Gelbhemden immer wieder demonstrieren müssen und dem Volke klar machen müssen, dass die Falschen an der Macht sind. Notfalls kann man ja einen Flughafen besetzen.

Und die Verschwörungstheoretiker wiederum denken sich die Hirne zu Brei, warum gerade in den Rot-Hemden-Hochburgen so viele Stimmen ungültig sind (oder sein sollen) — wo gerade die doch mit Freude an die Wahlurnen gehen sollten. Kann ja nur irgendeine un-Demokratische Kraft sein.

Segeln gehen

Auf Facebook kann man noch bis zum Ende des Jahres am Nautiness-Gewinnspiel teilnehmen und eine Woche all inklusive für zwei Personen auf einem Segel-Katamaran gewinnen. Segeln, Angeln, Tauchen oder einfach nur in der Sonne braten. Nur den Flug muss man noch bezahlen.

Das nur als Hinweis an all jene die einmal im Monat schreiben “wenn es mal klappt komme ich dich auf deiner Insel auch mal besuchen”. Man muss ja nur wollen.

Neuwahlen

Am Sonntag sind Wahlen (yeah!!!11Eins) und Thailand wird von den Gewinnern in eine rosige Zukunft geführt. Ist ja logisch, von manchen Stellen aus kann es nur noch bergauf gehen, denkt man.

Wenn es nach den Umfragen, die noch bis vergangenen Sonntag veröffentlicht werden durften (man will ja die Meinung des Volkes nicht beeinflussen), dann gewinnt die Pheua Thai Partei, Thaksins Partei, ich meine, die seiner Schwester, haushoch. Warum auch nicht — die Demokraten haben noch nie eine Wahl gewonnen, seit ich in Thailand bin.

Nun fragt sich der aufmerksame Leser, wie die Demokraten, wenn sie denn nicht gewinnen, es geschafft haben, die Regierung zu bilden? Ganz einfach: Hier in Thailand wird so lange die jeweils regierende Partei per Gerichtsbeschluss aufgelöst, bis die “richtige” Partei an der Macht ist.

Und wenn (zeitlich, nicht faktisch) am Sonntag die “richtige” Partei gewinnt, dann kommt Thaksin, der Präsident des Thailändischen Profigolferverbandes, auch wieder heim ins Königreich. Entweder im November, oder im Dezember, oder im Oktober. Die Aussagen hierzu von ihm selbst schwanken je nach Tageszeit und Medium.

Wahltage sind für die meisten Ausländer der pure Horror: Es darf nämlich das ganze Wochenende kein Alkohol ausgeschenkt werden — damit alle mit klarem Kopfe die Zukunft der Nation mitbestimmen können. Ich mag gar nicht wissen, was denen dann durch den Kopf gehen mag, wenn sie mit der Cola im Glas ganz ohne verschwommenen Blick die Damen an den Tanzstangen betrachten müssen.

Glücklicherweise kenne ich bereits seit einigen Jahren einen kleinen Shop um die Ecke, wo die Kassen-Thai immer angsterfüllt verkrampft, wenn ich den Laden betrete und kein Wort des Widerstands aufbringt, wenn ich meine Bierflaschen an buddhistischen Feier- und demokratischen Wahltagen auf den Tresen stelle. Solange sie nicht weiss, dass ich ein bisschen Thai verstehe, wird sie auch stumm bleiben ;)

Und dann war da noch das hier: Sonthi Boonyaratkalin, der General der den letzten Putsch durchgeführt hat, ist auch mit einer Partei vertreten. Interessanterweise hat er aber damals gesagt: “I will no longer enter politics.”. Interessant. Was von seinen öffentlichen ?u?erungen zu halten ist, habe ich schon vor längerer Zeit beschrieben. Mich würde ja mal interessieren, was er heute zu der Wahrscheinlichkeit eines Putsches nach den Wahlen zu sagen hätte.